Im Gegenteil: Durch die Erfüllung neuer Bedürfnisse, die nun auch die breite Masse betreffen sowie die mögliche Vernetzung von und mit zahlreichen, ganz unterschiedlichen Themenwelten, birgt der Trend des vernetzten Zuhauses enormes Potenzial. Mehr dazu lesen Sie in der neuesten Ausgabe von CK*Trends!

Der Gemüsevorrat geht zur Neige. Gut, dass das der Kühlschrank bereits weiß und frühzeitig eine Onlinebestellung aufgegeben hat, die ich bequem bis vor die Haustür geliefert bekomme. Jemand klingelt und über die installierte Türkamera sehe ich, dass der Lieferant samt Lebensmittelpaket vor der Tür steht. Per in der Kamera integrierter Lautsprecheranlage bitte ich den Lieferanten, das Lebensmittelpaket einfach vor der Tür abzustellen. Während ich die neue Lieferung verstaue, kümmern sich Staubsauger- und Wischroboter um den Fußboden der Wohnung, in der jeder Raum per ausgefeilter Sensorik nach meinen individuellen Bedürfnissen ideal temperiert wird. Dazu gibt es auf meine aktuelle Stimmung eingestellte Musik, die über mein raumübergreifend vernetztes Soundsystem mit glasklarem Sound zu hören ist.

Was für uns im Jahr 2000 nach Zukunftsmusik klang, ist heute nicht mehr so weit entfernt. Zumindest in ersten Zügen und gerade in jenen Wohnungen, die von besonders technikaffinen Menschen bewohnt werden. Zwar ist die Zukunftsforschung in ihren Prognosen vom eigenständig bestellenden Kühlschrank etwas abgerückt, dem übergeordneten Trendthema Smarthome tut dies aber in keinerlei Weise Abbruch.

Getrieben von Nachhaltigkeitsaspekten geht es den Konsumenten heute viel mehr darum, Technologie nicht zur Steigerung der Bequemlichkeit, sondern zur effizienteren Gestaltung der eigenen vier Wände zu nutzen. So ließen sich Experten zufolge beispielsweise allein mit einer intelligenten Heizungssteuerung 20 Prozent des häuslichen Wärmeverbrauchs einsparen. Das schont das Haushaltsbudget und hilft zudem auch noch Ressourcen einzusparen. Und wer hat schon etwas gegen eine Win-win-Situation?

In Anbetracht dessen, dass gut die Hälfte der 21 Millionen deutschen häuslichen Heizungsanlagen veraltet sein sollen, könnte das Segment der Wohnungssensorik vor einem anhaltenden Boom stehen, nicht nur in Deutschland, sondern global. Dazu gehören möglicherweise auch Kamerasysteme, die sich besonders in den USA bereits jetzt großer Beliebtheit erfreuen. Dort ist es in vielen Haushalten ganz normal, dass man alle Räume mit immer günstiger werdenden Überwachungsequipment ausstattet und das traute Heim in Abwesenheit entweder selbst per Handy-App checkt oder dafür einen Sicherheitsdienst engagiert.

Persönlich kann ich dem häuslichen Monitoring bis auf wenige Ausnahmen indes wenig abgewinnen. Ich kann mir einfach nicht helfen, aber für mich fühlt sich das ganze Thema mehr wie eine Verwanzung an, die mich nachts eben nicht ruhiger schlafen lässt. Ich will selbst darüber entscheiden, wann ich meine Rollläden öffne oder schließe. Und über den Zutritt zu meinem Haus soll keine KI-gestützte Kamera mit eingebauter Gesichtserkennung entscheiden, sondern nur ich selbst mit meinem ganz analogen Wohnungsschlüssel.

Da sich der Markt und die Börse herzlich wenig um mein persönliches Befinden schert, und der Trend uns die kommenden Jahre und Jahrzehnte beschäftigen wird, ist es deshalb nur folgerichtig, dass Zukunftsforscher Dr. Eike Wenzel den Trend für uns abklopft und einige der trendbestimmenden Unternehmen in der aktuellen Studie aufgreift.

Es werden nicht nur Soft- und Hardwarespezialisten sein, die den Wohnraum von morgen mitprägen werden, auch die kriselnden Versorger und Telekomkonzerne bekommen mit der Etablierung des vernetzten Wohnens eine Chance, sich endlich aus ihrer Stagnation zu befreien und eigene Smarthome-Lösungen zu entwickeln. Denn schließlich muss nicht jeder Mensch so ein Technik-Wildschwein sein wie ich.

Ihr Christof von Wenzl