Die nächsten Jahre werden für die USA äußerst kritisch. Es geht um viel, richtig viel. Wenn es um viel geht, dann stehen die Chancen gut, dass es sich um Schulden handelt. Davon haben die USA wirklich viel. Sie haben aber nicht einfach nur viel davon. Es wird auch immer mehr und das wird in den kommenden Jahren zum Lackmustest.

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Seit Beginn der Finanzkrise gab es für die US-Schulden nur einen Weg. Bis Anfang 2008 lag die monatliche Ausgabe neuer Anleihen bei geradezu lächerlichen 10 Mrd. Dieser Wert beinhaltet Anleihen jeglicher Laufzeiten, nicht aber Treasury-Bills. Als Bills werden kurzfristige Wertpapiere bezeichnet die eine Maximallaufzeit von einem Jahr haben. Alles, was darüber hinausgeht, wird als Anleihe bezeichnet (bis 10 Jahre als Note, darüber als Bond).

Das erste Mal, dass die Regierung auf 12-Monatssicht überhaupt mehr als 100 Mrd. an neuen Anleihen ausgab, war Mitte 2008. Durch geringere Steuerreinnahmen, Bankenrettung und Konjunkturprogramme stieg dieser Wert bis 2010 auf über 500 Mrd. Dollar. Monatlich entspricht dies einem Betrag von gut 40 Mrd.

Danach wurde es nicht besser. Trotz Hochkonjunktur fand nie ein Schuldenabbau statt. Im April 2018 gab die Regierung zum ersten Mal in einem Monat Anleihen im Wert von 300 Mrd. aus (Grafik 1). Der 12-Monatsdurchschnitt liegt bei knapp 200 Mrd. Dollar. In Kürze wird die US-Regierung also Monat um Monat mehr als 200 Mrd. Dollar bei Investoren unterbringen müssen.

Durch diesen massiven monatlichen Refinanzierungsbedarf muss die Regierung inzwischen jeden Monat 1,2 % ihrer Gesamtschulden refinanzieren (Grafik 2). Sie bekommt dadurch möglicherweise ein Problem. Immerhin müssen sich Investoren finden, die das alles finanzieren.

Das ist kein Problem, solange die Schuldenberge nicht wachsen. Auslaufende Anleihen werden durch neue ersetzt. Irgendwo muss das Geld der auslaufenden Anleihen ja angelegt werden. Nun dauert es nicht mehr lange und es müssen nicht nur 200 Mrd. refinanziert werden, sondern zusätzlich 100 Mrd. an neuen Schulden aufgenommen werden.

Man fragt sich, wo all das Geld herkommen soll. Derzeit ist noch viel Geld im Markt vorhanden. Die QE Programme der Notenbanken haben dafür gesorgt. Derzeit werden allerdings global nur noch 600 Mrd. pro Jahr neu gedruckt. Allein die US-Regierung muss in diesem Jahr wohl 800 bis 900 Mrd. zusätzlich aufnehmen. Hinzu kommen die Anleihen, die von der Notenbank verkauft werden.

Auf Sicht von ein oder zwei Jahren ist das kein Problem, weil eben so viel Geld im System ist. Die US-Regierung saugt jedoch so viel Geld durch neue Schulden ab, dass die QE Programme dagegen klein aussehen. Die US-Regierung macht innerhalb von anderthalb Jahren so viel neue Schulden wie die Fed an Staatsanleihen über 3 QE Programme erworben hat.

Wir dürfen gespannt sein, ob das gut geht. Bisher konnte sich die US-Regierung immer finanzieren, auch bei hohen Defiziten. Wieso sollte es diesmal anders ein, darf man sich ruhig fragen. Nun, die Regierung nimmt gigantische Schulden in der Hochkonjunktur auf. Es sind keine Sonderfaktoren wie Rezession oder Krieg. Das wird selbst unerschütterliche Geister zum Nachdenken anregen.