Ohne die EU und damit letztlich den europäischen Freihandelsraum wird die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung nicht einfacher. Großbritannien hat von der EU eigentlich profitiert. Vor dem Beitritt in den 70er Jahren war Großbritannien in Europa und der Welt Schlusslicht. Das Pro-Kopf-Einkommen stieg besonders langsam (Grafik 1).


Nach dem Beitritt ändert sich das. Großbritannien blieb nicht mehr zurück, sondern konnte sich sogar einen Spitzenplatz in der Entwicklung sichern (Grafik 2). Das ist keine Überraschung, sondern eine vorhersehbare Entwicklung. Es gibt gute Gründe, weshalb sich immer mehr Ländern in Wirtschaftsräumen zusammentun.


Für Großbritannien lief es nach Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht noch besser. Das Land hatte für sich einige Sonderbedingungen ausgehandelt. In Europa erreichte Großbritannien so plötzlich den Spitzenplatz (Grafik 3). Diesen Erfolg wollte Großbritannien nun auch ohne die EU fortführen.


Das Maximalziel wurde jedoch bei weitem nicht erreicht. In diesem Fall hätte sich Großbritannien größtenteils nicht an die Regeln im europäischen Wirtschaftsraum halten müssen, aber dennoch vom Wirtschaftsraum profitieren können. Jeder Wirtschaftsraum dieser Welt hat bestimmte gemeinsame Regeln. Ohne diese ist die ganze Idee eines Wirtschaftsraums hinfällig.

Für die Mitglieder müssen ähnliche Bedingungen gelten. Ist das nicht der Fall, entstehen Wettbewerbsvorteile. Muss ein Land teure Umweltstandards einhalten, ein anderes jedoch nicht, kann eines der beiden Länder günstiger produzieren und hat einen Vorteil.

Sich auf gemeinsame Regeln zu einigen ist schwierig. Die Verhandlungen zu solchen Abkommen dauern daher viele Jahre. Das Interesse an Freihandelszonen und Wirtschaftsräumen ist jedoch groß. Die Vorteile für die wirtschaftliche Entwicklung sind enorm. Auch die Opportunitätskosten sind hoch.

Schließen sich alle anderen Länder zusammen und eines ist nicht dabei, findet über unterschiedliche Regulierung automatisch eine Ausgrenzung statt. Die wirtschaftliche Entwicklung des Außenseiters ist stark eingeschränkt. Für Großbritannien ist das nicht anders. Daher wird versucht, in Eile möglichst viele Abkommen auszuhandeln.

Der größte Erfolg war ein Freihandelsabkommen mit Japan. Das ändert jedoch nichts daran, dass Großbritannien nicht mehr Teil von einem der drei großen Wirtschaftsräume ist. Das sind USMCA (NAFTA Nachfolger für USA, Mexiko, Kanada), der europäische Wirtschaftsraum innerhalb der EU und neuerdings RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership). Letzteres wurde gerade unterschrieben. Von Neuseeland bis China und Japan gehört fast jedes Land in Südostasien dazu. Dass gerade China in ein solches Abkommen mit einsteigt, sagt viel aus. China ist für sich allein ein großer Markt. Dennoch sieht die Regierung Vorteile in der Partnerschaft.

Großbritannien ist nun erst einmal auf sich alleine gestellt. Einzelne Abkommen können die Teilnahme in einem der großen drei Wirtschaftsräume nicht ersetzen. Die wirtschaftliche Entwicklung wird vermutlich wieder dorthin zurückfallen, wo sie vor dem Beitritt in die europäische Gemeinschaft war, also unterdurchschnittlich. Man kann dem Land nur viel Glück wünschen. Alleine wird es nicht einfacher.

Clemens Schmale


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