Die Financial Times Deutschland stellt in einem Artikel auf ihrer Startseite die Frage, ob es ein zweites Lehman Brothers geben wird. Die Märkte haben unserer Meinung nach dieses Thema zumindest vorübergehend bereits abgehakt: Warum sonst wäre der DAX in den vergangenen Tagen um 1000 Punkte gestiegen? Es wird kein zweites Lehman erwartet. Für den Moment.

Dass es aber für die Banken ein schweres Jahr 2012 wird, dafür sprechen zahlreiche Indizien. Nicht zuletzt die drohende Abstufung der Deutschen Bank durch Fitch Ratings. Nicht zuletzt die geplante Beteiligung der Banken an einem möglichen Schuldenschnitt in Griechenland. Nicht zuletzt die Zwangskapitalisierung der Banken, die vermutlich mit dem Verbot von Dividenden und Boni bei einigen Banken durch den Staat einhergehen wird. Nicht zuletzt weil zu erwarten ist, dass es der Konjunktur im nächsten Jahr schlechter gehen wird.

Für Optimismus sorgt unterdessen ein Vertreter der eher traditionellen Institute aus der deutschen Bankenlandschaft: Der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier. Er hält die Rally am DAX für nachhaltig. Ende des Jahres, spätestens im ersten Quartal 2012 steht die Schuldenkrise nicht mehr im Fokus, so seine Meinung. Nach dem Erfinder des Begriffes BRIC, laut Jim O\'Neil von Goldman Sachs also ist die US-Wirtschaft in einem besseren Zustand als viele glauben. Er rechnet nicht mit einer Rezession. Seine Kollegen im gleichen Haus rufen derweil nach einer dritten Runde geldpolitischer Lockerung durch die Federal Reserve. Sinnbildlich für die angespannte Situation war in dieser Woche ein Interview mit dem CEO der BNP Paribas:

http://img.godmode-trader.de/charts/3/2011/10/20111012_HB_InterviewProt.pdf

Das Herbstgutachten der Wirtschaftsforscher hatte eine Botschaft in dieser Woche: Es wird ein schwieriges Jahr 2012, aber Deutschland kann es gut überstehen, besser wohl, als unsere europäischen Nachbarn. Dort wird es höchstwahrscheinlich zu möglicherweise sogar ausgeprägten Rezessionen kommen. Die Verwerfungen im Westen ziehen nach Osten und schaden der Wachstumsdynamik der Emerging Markets. Die Wachstumslokomotive Nummer Eins – China – bremst außerdem weiterhin, um der Inflation zu entkommen. Außerdem droht ein offener Währungskrieg mit den USA. Dieser Währungskrieg wurde bislang über die geldpolitischen Maßnahmen der Federal Reserve geführt. Da Ben Bernanke nicht zuletzt politisch die Hände gebunden sind, was eine dritte Runde geldpolitischer Lockerung anbelangt, wurde in dieser Woche der US-Senat aktiv und verabschiedete einen Gesetzesentwurf, der Strafzölle auf chinesische Produkte ermöglichen würde.

Von sinkenden Einzelhandelsumsätzen in Brasilien bis leer werdenden Auftragsbüchern südafrikanischer Industriekonzerne – diese Woche erreichten und neue Hinweise, dass die Weltwirtschaft sich auf breiter Front abkühlt. Der IWF meint dazu, dass die Wachstumsrisiken in den Emerging Markets abwärts gerichtet sind. Die Politik versucht unterdessen, eine Wiederholung des Jahres 2008 zu vermeiden.

Wo wir wieder am Anfang dieses Kommentars sind: Wird es vielleicht doch ein zweites Lehman geben, wenn jetzt die Konjunktur auch noch deutlich schwächer wird, als sie jetzt ohnehin jetzt schon ist? Wir werden sehen.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein Webinar mit meinem geschätzten Kollegen Andreas Hoose ans Herz legen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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