Die Nutzung von Stop Orders ist ein Auslaufmodell. Sobald Nasdaq und NYSE diese Orderart eingestellt haben, dürften es sich einige andere Handelsplätze ebenfalls überlegen nachzuziehen. Wenn man sich das genau überlegt, ist das ein Skandal. Wer direkt an der Börse handelt wird mehrerer Orderarten beraubt. Die Stop Order ist vermutlich die noch am ehesten genutzte, allerdings sollen auch andere Orderarten verschwinden. Zu diesen Orderarten gehört auch die GTC (Good-Til-Cancel) Orderart, bei der eine Order eingegeben wird, die solange im Buch steht, bis sie bedient oder gelöscht wird.

    Persönlich denke ich nicht, dass es Dutzende Orderarten braucht. Einige Broker sind in ihrem Angebot recht erfinderisch und keiner weiß so genau, wofür die Ordertypen eigentlich gut sein sollen, aber einen Stop abschaffen? Ist schon ein starkes Stück.

    Kümmern wird es die wenigsten. Der Chart zeigt, welche Ordertypen verwendet werden. Dabei zeigt der Prozentsatz an wie hoch der Anteil der einzelnen Orderarten an allen ausgeführten Orders war. Im Oktober waren 35% aller ausgeführten Aufträge IOC (Immediate-Or-Cancel) Aufträge.

    Der Anteil der "anderen" Orderarten, zu denen auch der Stop gehört, ist sehr klein und befindet sich seit langem näher bei 0% als bei 1%. Das dürfte wohl der Grund für die Börsenbetreiber sein die Orderart abzuschaffen. Sie wird kaum genutzt - zumindest auf den ersten Blick nicht.

    Die Statistik zeigt die Anteile der Orderarten an den ausgeführten Aufträgen. Ein Stop wird im Idealfall nur als Notbremse gezogen. Sinn eines Stops ist es nicht alle 5 Minuten zu ziehen, insbesondere, wenn man einen Zeithorizont von mehreren Tagen im Auge hat.

    Die New Yorker Börse begründet ihre Entscheidung auch damit, dass sie Stop Orders für kontraproduktiv hält. Ist der Markt volatil, werden Stops abgeräumt. Das kann die Marktbewegung verstärken. Wenn man jedoch bedenkt, dass selbst im äußerst volatilen August 2015 kaum Stops gezogen haben, dann muss man an dieser Begründung zweifeln. Mir scheint es als dass es den Handelsplätzen darum geht ein paar Dollar an Kosten zu sparen...

    Automatische Stops sind mitunter wirklich nicht die beste Möglichkeit zu handeln. Eine große Kurslücke nach Quartalszahlen führt dazu, dass ein Stop zu einem deutlich niedrigeren Kurs ausgeführt wird als beabsichtigt. Als Beispiel kann man sich die Aktie von Walt Disney vor Augen halten. Der Kurs eröffnete am Tag nach den Quartalszahlen mit einem Minus von 9%. Der Stop, der unter dem letzten, kurzfristigen Tief lag, hätte gar nichts gebracht. Die Aktie eröffnete 5% tiefer als der Stop. Die Verkaufsorder wäre dann bestenfalls mit einem Abschlag von 5% auf das Stop Loss Level ausgeführt worden.

    Automatische Stops sind problematisch. Sie können große Verluste verursachen. Bei Walt Disney ging es in den folgenden Tagen tendenziell weiter bergab - bis zum Crash am 24.8. An diesem Tag sind sicherlich einige Stops abgeräumt worden. Im Tagestief verloren einige Einzeltitel wie Apple über 12%. Die Aktie schloss letztendlich mit einem Minus von 2,5%. Wer ausgestoppt worden ist und am Ende eigentlich wenig ohne Stop Loss verloren hätte, der ärgert sich.

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    The Walt Disney Co

    Persönlich finde ich Kursalarme sinnvoll. Sie machen Trader darauf aufmerksam, wann ein Stop Loss Level erreicht wird. Der Trader kann dann jedoch noch immer der Situation angemessen entscheiden, was das Beste ist. Für Anleger, die nicht rund um die Uhr verfügbar sein können, machen solche Vorgehensweisen wenig Sinn. Dann ist ein automatischer Stop Loss immer noch besser als überhaupt nichts. Die Abschaffung des Stops von Börsenbetreibern ist da kritisch.

    Auf Stops wird wahrscheinlich trotzdem niemand verzichten müssen. Broker werden die Lücke gegen zusätzliche Kosten gerne füllen...