2017 war ein ungewöhnliches Börsenjahr – zumindest dem Gefühl nach. Der Dow Jones stieg um etwas mehr als 25 % an. Einen solchen Anstieg erwartet man eigentlich nicht im achten Jahr eines Bullenmarktes, insbesondere auch dann nicht, wenn der Markt hoch bewertet erscheint.

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Im historischen Kontext ist eine Performance von 25 % gar nicht so selten. Seit Bestehen des Dow Jones kam das 21 Mal vor. In 17,3 % aller Jahre gewinnt der Dow Jones mehr als 25 %. Man kann also knapp jedes sechste Jahr mit einem solchen Wunder rechnen.

Die Performance 2017 war also gar nicht so ungewöhnlich wie viele meinen. Das Gefühl ist bei vielen nun aber einmal da und trübt den Ausblick auf 2018. Die Logik geht dabei so: der Dow Jones Index ist so stark gestiegen, da muss der Markt erschöpft sein. Eine weiteres fettes Jahr wird es wahrscheinlich nicht geben.


Diese Art der Logik ist falsch. Seit Bestehen des Dow Jones sind zwei Drittel aller Jahre positiv, ein Drittel negativ. Steigt der Dow mehr als 25 %, ist die Chance, dass das Folgejahr ebenfalls wieder positiv wird, unverändert. 2018 hat die gleiche 2/3 Chance wie alle anderen Jahre positiv zu werden.

Die Chance auf ein positives Jahr ist gleich hoch wie in jedem anderen Jahr. Dafür verändert sich ein anderer Maßstab. Die durchschnittliche Jahresperformance des Dow seit 1896 liegt bei 7.9 %. Die Jahre, die einem 25 %-Jahr folgen, liefern im Durchschnitt eine Performance von 10.8 %.

Die Streuung um den Durchschnitt ist freilich recht groß. Das beste Jahr nach einer 25 % Performance wies ein Plus von 49.5 % aus. Das schlechteste brachte es auf ein Minus von 32.9 %. Für 2018 lehnen sich Analysten nicht weit aus dem Fenster. Die meisten erwarten eine Seitwärtsbewegung bzw. einen moderaten Anstieg. Das ist ähnlich zu den Vorhersagen für 2017.

Relativ häufig macht der Markt genau das nicht, was die meisten erwarten. Für 2018 wäre demnach ein weiteres gutes oder richtig schlechtes Jahr zu erwarten. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich einem weiteren guten Jahr eine deutlich höhere Chance einräumen als einem richtig schlechten. Für einen Punktestand von 30.000 zu Jahresende wird es aber wohl doch nicht reichen.

Clemens Schmale

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