Anleger bewegen sich ungerne allein in eine Richtung. Viel wohler fühlt man sich in der Menge. Nicht zuletzt deswegen ergeben sich immer wieder Übertreibungen. Die Angst, alleine und möglicherweise falsch dazustehen, ist eine starke Motivation. So bilden sich immer wieder Positionierungen heraus, bei denen praktisch jeder mitmacht.

ANZEIGE

Zwischen Ende 2016 und April 2017 war der überfüllteste Trade der Dollar-long Trade. Alle Welt ging davon aus, dass der Dollar weiter aufwerten würde. Die Extrempositionierung hielt bis April an, obwohl der Dollar bereits Anfang 2017 schwächer wurde. Es dauert manchmal eine Weile, bis Anleger mitbekommen, dass sich der Trend bereits geändert hat.

Bis in den Herbst hinein gab es dann einen neuen Trade, bei dem alle mitmachten: Nasdaq-long oder genauer gesagt die Tech-Favoriten (Alphabet, Amazon etc.). Zu Jahresende waren es Kryptowährungen, die als überfülltester Trade galten. Das rächte sich Anfang des Jahres. Viele Krytos gaben mehr als 50 % ihres Wertes ab.

Im Januar baute sich ein neuer Konsens auf. Spekulanten haben sich darauf festgelegt, dass die Zinsen weiter steigen werden. Spekulanten hatten zu Jahresbeginn fast 1 Mio. T-Note Kontrakte (10-jährige Anleihen) leerverkauft. Ein Rekord.

Fairerweise muss man sagen, dass der Shortpositionierung auch eine Longpositionierung gegenübersteht. Doch selbst wenn man nur die Nettoshortposition betrachtet, ist sie rekordverdächtig (siehe Grafik). Spekulanten haben oftmals ein gutes Gespür für Trends. Die Positionierung läuft entsprechend größtenteils parallel zum Basiswert.

Vorsicht-Extreme-Short-Quoten-bei-Anleihen-Kommentar-Clemens-Schmale-GodmodeTrader.de-1

Nun ist die Erwartung bei allen angekommen, dass die Zinsen weiter steigen werden. Spekulanten und andere Anleger haben sich entsprechend positioniert. Die Positionierung ist inzwischen so ausgeprägt, dass man sich fragt, ob es überhaupt noch irgendjemanden auf dem Planeten gibt, der noch nicht dabei ist.

So extreme Positionierungen rächen sich meist. Sind alle erst einmal schön in einer Ecke des Marktes angekommen, dreht der Trend. Mich würde es nicht wundern, wenn die Zinsen demnächst zu fallen beginnen. Anleger haben mit ihrer Erwartung und Positionierung inzwischen einfach übertrieben. Für mich sieht das so aus, dass der Markt zu eindeutig positioniert ist.

In der Hitze des Gefechts ging die Fantasie mit den Anlegern durch. Inflationsängste und die Erwartung, dass die Notenbank die Zinsen schneller anheben könnte, haben zu einem kleinen Exzess geführt. Weder rennt uns die Inflation davon, noch die Zinsanhebungen. Hier tut sich also gerade die Chance auf einen konträren Trade auf.

Sie interessieren sich für Makrothemen und Trading in exotischen Basiswerten? Dann folgen Sie mir unbedingt auf Guidants!