Kairo (Godmode-Trader.de) - Das auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Given“ ist nach einer tagelangen Blockade wieder teilweise freigelegt worden. Das 400 Meter lange Schiff sei wieder in schwimmenden Zustand gebracht worden und werde gesichert, teilte der maritime Dienstleister Inchcape Shipping am Montagmorgen mit.

Es ist allerdings nur der erste Schritt zur Beseitigung der Blockade einer der wichtigsten Handelsadern der Welt. Laut dem Chef des Bergeunternehmens Boskalis Westminster, das eine Schlüsselrolle bei der Rettungsmission spielte, ist es noch zu früh, von einem Ende der Blockade zu sprechen. „Wir müssen ehrlich sein, der Vorsteven des Schiffes (Anm.: der vorderste Teil des Rumpfes) sitzt immer noch sehr fest“, sagte CEO Peter Berdowski. „Das hintere Ende des Schiffes schwimmfähig zu machen, war der einfache Teil“, sagte er in einem Radio-Interview. „Der herausfordernde Teil wird die Vorderseite des Schiffes sein. Jetzt werden wir mit der Arbeit an der Vorderseite beginnen.“ Es wird erwartet, dass es mindestens noch bis zur nächsten Hochflut dauert, bis der Bug des Frachters mit Hilfe von zwei neuen Schleppschiffen ebenfalls befreit wird.

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Mehr als 450 Schiffe stecken fest, warten oder sind auf dem Weg zum Kanal. Der Rückstau ist eine weitere Belastung für die globalen Lieferketten, die durch die Pandemie bereits angespannt sind. Den Rückstau abzuarbeiten könnte weitere sieben Tage dauern. Denn normalerweise können 50 Schiffe täglich die Wasserstraße befahren.

Einige Reeder haben sich bereits für die 7.000 Kilometer lange und demnach entsprechend teurere Fahrt um die Südspitze Afrikas herum entschieden. Weltmarktführer A.P. Møller-Mærsk erklärte, inzwischen 15 Schiffe auf den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung geschickt zu haben, weil man davon ausgehe, dies dauere genauso lang wie die Verzögerung im Kanal.

Durch den Suez-Kanal fließen etwa 12 Prozent des globalen Handels. Durch die Blockade und den Rückstau werden die Kosten für die Weltwirtschaft demnach stündlich höher. „Das Problem liegt darin, dass die Blockade im Suezkanal das Fass zum Überlaufen bringt. Die Unterbrechung der Lieferketten seit dem Beginn des Jahres könnten das reale Wachstum des Welthandels 1,4 Prozentpunkte oder rund 230 Milliarden Dollar kosten, zusätzlich zu der aktuellen Situation im Suezkanal“, warnen die Analysten der Allianz in einer aktuellen Studie. Deren Berechnungen nach dürfte jede Woche Schließung das jährliche Wachstum des weltweiten Handels zwischen 0,2 und 0,4 Prozentpunkte kosten“.

Der Ölpreis hat zu Beginn der neuen Woche mit Abschlägen auf die Fortschritte im Suezkanal reagiert. Ein Barrel Nordseeöl der Sorte Brent kostete am Montagmorgen 63,07 US-Dollar. Das waren 1,36 Dollar weniger als am Freitag.