Der Value Style ist seit mehr als drei Jahren der erfolgreichste Anlagestil im Aktienbereich.

Unter den Aktienfonds mit 5 Sternen sind in den meisten Morningstar Kategorien zahlreiche mit Valueansatz gemanagte Fonds. Mit Ausnahme der Emerging Markets - für die dieser Ansatz nicht in Frage kommt - konnten in Nordamerika, Europa und Japan überdurchschnittliche Returns auf Basis eines wertorientierten Analyseansatzes erzielt werden. Als prominenter Vertreter dieses Investmentansatzes gilt der Starinvestor Warren Buffet. Value Investoren kaufen nur dann Aktien, wenn sie die Bewertung einer Börsengesellschaft - meist mit Blick auf die Vergangenheit - als zu gering erachten. Die Frage ist nur, welche Unternehmen von den Märkten verkannt werden.

Methodisch gehen Fondsmanager und Analysten nach zwei groben Rastern vor. Erstens zinsen sie künftig zu erwartende Dividenden (Cash Flows) ab. Eine Dividendenausschüttung im Jahre 2011 von 1 Euro hat heute einen geringeren Zeitwert als der 1 Euro in 6 Jahren. Andere Value-Fondsmanager konzentrieren sich auf Bilanzkennzahlen. Angenommen ein Spekulant würde ein Unternehmen übernehmen, dann die Grundstücke und Maschinen der Gesellschaft verkaufen und mit dem Erlös die Kredite des Unternehmens ablösen – und bleibt am Ende noch Geld übrig, dann ist die Gesellschaft seiner Ansicht nach unterbewertet. Er würde somit die Aktien kaufen.

Häufig zahlen diese aus Sicht der Investoren sehr werthaltigen Gesellschaften hohe Dividenden und weisen einen überdurchschnittlichen operativen oder Free Cash Flow aus. Was die Mehrheit dieser Unternehmen aber nicht tut, ist stark wachsen. Das erlaubt ihnen wiederum, Aktien von ihren Gewinnen zurückzukaufen und kräftige Gewinnbeteiligungen an ihre Aktionäre auszuschütten (Dividenden).

In Gesprächen mit unseren amerikanischen Morningstar-Kollegen hat sich gezeigt, dass erste US-Valuefondsmanager keine nach ihren Bewertungsmodellen vernünftig niedrig gepreisten Aktien mehr finden. Und paradoxerweise fangen erste dieser Valueinvestoren an, US-Pharmawerte in ihre Portfolios zu kaufen (Pfizer, Merck oder Biogen Idec). Die Pharmabranche ist in den letzten drei Jahren stark zurückgekommen (Konkurrenz durch Generika, Auslaufen von Patenten und Rückrufe von Blockbustern). Sie hat ihren Charakter als Wachstumsbranche an den Aktienmärkten verloren. Dennoch sollten diese Konzerne ihre Umsätze und Gewinne auch in den kommenden Jahren im oberen einstelligen Bereich steigern können. Wir bei Morningstar nennen diese Fondsmanager GARP-Investoren: Growth at a reasonable price (Wachstum zu einem vernünftigen Preis). Die reinen Growth-Investoren sind unter den 5 Sterne Fonds fast Raritäten geworden. Ihr Investmentansatz - wenn er denn konsequent angewendet wird - konnte in den letzten Jahren keine Top-Returns generieren, weil Wachstumsaktien nicht in Mode waren. Irgendwann kommen reine Wachstumstitel wieder in Fahrt. Und damit meine ich keine Neue Markt Klitschen, sondern Konzerne wie die Kaffeehauskette Starbucks oder der schwedische Bekleidungskonzern H&M.

Growth-Investoren kaufen Unternehmen, die ihre Gewinne vorwiegend in neue Technologien, Märkte und Produkte investieren. Es gibt auf dem Globus immer starke Gesellschaften, die ihre Marktanteile ausbauen. Privatinvestoren sollten antizyklisch handeln. Doch Vorsicht: Nicht überall, wo Growth oder Wachstum draufsteht, ist auch Wachstum drin. Sie können an der Morningstar Stylebox erkennen, ob ein Fonds auch wirklich in Wachstumsaktien investiert.

Quelle: Morningstar Deutschland

Die Aufgabe der Fonds-Ratingagentur Morningstar ist es, leicht zugängliche Informationen und Anwendungen anzubieten um den Anlegern eine objektive Hilfe zu den mehr als 6.000 in Deutschland zugelassen Fonds zu geben. Als Teil des europäischen Netzes lancierte Morningstar seine Dienste in Deutschland am 23.05.2001 unter www.morningstarfonds.de