Die argentinische Notenbank hat die Zinsen gerade auf 60 % erhöht. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als noch zu Wochenbeginn. Die Lage ist also richtig ernst. 60 % Zinsen werden nicht aus Spaß festgelegt. Der Abstand zu allen anderen Ländern wird mit diesem Schritt immer größer.

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Das Land mit den derzeitig zweithöchsten Zinsen ist Surinam. Hier liegt der Leitzins bei 25 %. Es folgen die Länder Haiti (20 %), Iran (18 %) und die Türkei (17.75 %). Die Türkei hält eine Zinserhöhung nicht für notwendig. Wie lange sich dieser Standpunkt noch rechtfertigen lässt, bleibt abzuwarten.

Venezuelas Währung stand zum USD noch vor wenigen Tagen bei 30. Gestern wurde fast die Marke von 40 erreicht. Das ist ein Kollaps sondergleichen. Argentinien hat deshalb schon vor Wochen beim IWF angefragt, um sich dadurch retten zu lassen. Das Paket hat ein Volumen von 50 Mrd. Dollar.

Bisher sind knapp 15 Mrd. der Kredite geflossen. Wegen des sich beschleunigenden Abwärtstrends soll die Auszahlung der Kredite beschleunigt werden. Argentinien braucht dringend Devisen, damit die Währung nicht noch weiter kollabiert und das Land in Hyperinflation versinkt.

50 Mrd. wären der bisher größte Bailout. Die Grafik zeigt, welches Land in welchem Jahr wie viel Kredit ausstehen hatte. Griechenland schuldete dem IWF z.B. 2013 am meisten Geld. In Portugal war es 2015. Die Kredite sind inzwischen größtenteils zurückgezahlt.

Für Argentinien sollen 50 Mrd. reichen. Im Normalfall ist die Aussicht auf so hohe Beträge in harter Währung genug, um die Lage zu beruhigen. Diesmal ist es anders. Argentinien ist noch vom Bankrott vor knapp 20 Jahren geprägt. Jeder fürchtet den Kollaps der Währung und flüchtet daher. Gerade das führt erst zum Zusammenbruch.

In der Türkei wird es nicht anders sein, vielleicht sogar noch schlimmer. Die Kredite des IWF sind an Reformen gebunden. Diese sind für gewöhnlich unpopulär und zielen darauf ab, die Defizite des Staates und die Defizite in der Handelsbilanz einzugrenzen. Das ist der einzige Weg, um eine Währung zu retten.

Die Türkei will solche Reformen nicht. Ein Kredit des IWF kommt daher nicht in Frage. Ohne Reformen geht der Trend aber immer weiter bis es dann irgendwann zur Hyperinflation wie etwa in Venezuela kommt. Vergleicht man das mit der Alternative – Reformen – ist die Alternative eigentlich besser. Sie lässt sich halt schlechter verkaufen und erfordert Anstrengung. Das verlangt vielen Politikern zu viel ab. Einfacher ist es, das Ausland zu verteufeln.

Währungskrisen sind schnelllebig. In ein paar Tagen und Wochen wissen wir viel mehr. Aktuell, gerade in Bezug auf Argentinien, kann man nur sagen: der Bailout funktioniert nicht.


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