Erst am Wochenende lud Starinvestor Warren Buffett die Aktionäre seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zur jährlichen Hauptversammlung in Omaha ein. Nur zwei Tage später äußerte sich Buffett nun auch ausführlich zum Gesamtmarkt und zur Frage, ob Aktien aktuell billig oder teuer seien.

    WERBUNG

    "Ich denke, Aktien sind lächerlich billig, wenn man glaubt, dass [eine Rendite] von drei Prozent bei 30-jährigen Anleihen Sinn macht", sagte Buffett in einem mehrteiligen CNBC-Interview, an dem zeitweise auch Berkshire-Vizechef Charles Munger und Microsoft-Gründer Bill Gates teilnahmen. Der Starinvestor zeigte sich aber skeptisch, dass die Zinsen auf dem aktuellen Niveau angemessen seien und langfristig bleiben könnten. Bisher habe er mit der Einschätzung, dass die langfristigen Zinsen wieder steigen müssten, allerdings nicht Recht behalten, fügte Buffett hinzu.

    "Noch vor zehn Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass man gleichzeitig Vollbeschäftigung, ein Haushaltsdefizit von fünf Prozent und eine langlaufende Anleiherendite von drei Prozent haben kann", sagte Buffett. "Ich glaube nicht, dass wir diese Variablen weiter in dieser Kombination haben werden. Aber falls das doch der Fall ist, sind Aktien lächerlich billig", so Buffett. "Da Geld nichts kostet, kann man viel Geld drucken, Vollbeschäftigung haben und keine Inflation", so der Starinvestor. "Es sieht aus wie das Nirwana, wie das gelobte Land."

    Munger fügte aber hinzu, dass er und Buffett auch damit glücklich wären, wenn sämtliche Kurse um 90 Prozent einbrechen würden. Sie seien damit kein repräsentativer Ausschnitt der Bevölkerung, so Munger.

    Mit Blick auf die heutige Eskalation im Handelsstreit zeigte sich Buffett davon überzeugt, dass Anleger die Schlagzeilen einfach ignorieren sollten. Wenn man eine Farm oder ein Appartmenthaus besitze, sei es schließlich auch unsinnig, kurzfristig aufgrund von Schlagzeilen Verkaufsentscheidungen zu treffen. Aktien seien Anteile an Unternehmen und sollten anhand der langfristigen Aussichten dieses Unternehmens bewertet werden, so Buffett.

    Chales Munger erläuterte, dass es letztlich die Notenbanken waren, die die Aktienkurse auf das aktuelle Niveau getrieben hätten. "Wenn man die Zinsen auf null senkt und alle Länder Geld wie verrückt drucken, dann erhöht das natürlich die Vermögenspreise für alle. Sie konnten in der großen Rezession nichts anderes tun, also nahmen sie die einzige Waffe, die sie hatten, und setzten sie auf eine aggressive Weise ein. Ich denke nicht, dass wir uns darüber streiten sollten. Es führte dazu, dass die Reichen noch reicher wurden, aber das wurde nicht mit Absicht getan, und ich glaube, dass es sich automatisch korrigieren wird", sagte Munger.

    Allerdings könne man nicht einfach immer die Notenpresse einsetzen, um wirtschaftliche Probleme zu lösen. "Ich habe eine große Angst davor, dass eine Demokratie auf die Idee kommen könnte, dass man einfach Geld druckt, und damit alle Probleme lösen kann", sagte Munger.

    "Singapur, das eine fantastische Wirtschaft hat, hat null Schulden. Wenn ich in der Welt etwas zu sagen hätte, würde ich wollen, dass die USA in dieser Position wären. Aber so denkt niemand. Alle Politiker in Europa und den USA haben gelernt, Geld zu drucken", so die rechte Hand von Warren Buffett. "Ich weiß, dass das irgendwann scheitern wird. (...) Am Ende, wenn man zu viel Geld druckt, kommt etwas heraus wie Venezuela."


    Sie interessieren sich für spannende Anlagethemen? Folgen Sie mir kostenlos auf der Investment- und Analyseplattform Guidants, um keinen Artikel zu verpassen!