Wie jedes Jahr sind auch am Samstag wieder zehntausende Börsenfans und Anleger in das eher beschauliche Omaha im US-Bundesstaat Nebraska gereist, um den Ausführungen von Starinvestor Warren Buffett auf der jährlichen Hauptversammlung seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway zu lauschen.

Die Aktionäre, von denen viele im Laufe der Jahre durch den Erfolg von Berkshire Hathaway ebenfalls einen beträchtlichen Wohlstand erreicht haben, wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht. In bekannt witziger Art beantworten der 87-jährige Milliardär und der bereits 94-jährige Vizechef Charles Munger die Fragen zahlreicher Anleger.

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Warren Buffett (links) und Charles Munger (rechts) auf der Hauptversammlung 2018 von Berkshire Hathaway

Noch vor Beginn der Fragerunde berichtete Warren Buffett von seinen ersten Erfahrungen am Aktienmarkt und verriet sein Geheimnis, wie man 10.000 Dollar kinderleicht in 51 Millionen Dollar verwandeln kann.

Am 11. März 1942 ließ der damals 11-jährige Warren Buffett seinen Vater drei Vorzugsaktien des Unternehmens Cities Service zum Kurs von 38,75 Dollar kaufen. Die USA waren gerade in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen worden und ständig gab es schlechte Nachrichten aus dem Pazifik, wo die Japaner US-Stellungen geradezu überrannten. Entsprechend sanken die Kurse, und der junge Warren Buffett kam in den Genuss günstiger Einstiegskurse. Buffett freute sich nicht schlecht, als er die Aktien vier Monate später zu einem Kurs von 40 Dollar verkaufte und damit einen Gesamtgewinn von 5,25 Dollar erzielte.

Doch beim Versuch, den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu finden, lag Buffett trotzdem daneben, schließlich kletterte die Aktie nur zwei Jahre später in den dreistelligen Bereich.

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Das bringt Buffett zu einer seiner wichtigsten Erkenntnisse: Es ist unmöglich und nicht nötig, den Aktienmarkt zu timen. Anleger sollten gar nicht erst versuchen, den richtigen Ausstiegszeitpunkt zu finden, sondern lieber das langfristig exponentielle Wachstum des Aktienmarktes für sich arbeiten lassen.

Wie stark Anleger von einem langfristigen Anlagehorizont profitieren können, wenn sie in produktive Vermögenswerte wie Unternehmensaktien investieren, macht Buffett an einem einfachen Beispiel klar: Hätte ein Anleger am 11. März 1942 einen Betrag von 10.000 Dollar in einen (damals noch nicht existenten) langweiligen Indexfonds mit einem Querschnitt amerikanischer Aktien investiert, hätte sich das Geld bis heute in den unglaublichen Betrag von 51 Millionen Dollar verwandelt. Einfach durch die Investition in einen breiten Aktienkorb und die notwendige Geduld, die Position nicht vorzeitig zu verkaufen. Der Anleger hätte keine Arbeit gehabt und gar nicht erst versuchen müssen, Unternehmensbilanzen zu lesen oder die Geldpolitik der US-Notenbank zu verstehen, sagt Buffett.

Aktien sind Anteilsscheine von Unternehmen, und Unternehmen sind produktive Vermögenswerte. Unternehmen erwirtschaften Gewinne und reinvestieren diese Gewinne ins Geschäft, um künftig noch mehr Gewinne erzielen zu können oder schütten die Gewinne an die Anleger aus, so Buffett.

Anleger sollten produktive Vermögenswerte immer unproduktiven Vermögenswerten wie Gold vorziehen, rät Warren Buffett. Denn wer damals einen unproduktiven Vermögenswert wie Gold gekauft hätte, hätte heute nur die gleiche Menge an Gold, die er auch damals besessen hat. In Dollar gerechnet wäre das damals für 10.000 Dollar gekaufte Gold heute zwar rund 400.000 Dollar wert, der Gewinn wäre aber mehr als 100-fach geringer ausgefallen als bei der Investition in einen Indexfonds, der einen breiten Aktienkorb amerikanischer Unternehmen abbildet. Anders als unproduktive Vermögenswerte wie Gold erwirtschaften Unternehmen Gewinne und reinvestieren diese ins Geschäft oder schütten sie an die Aktionäre aus.

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Warren Buffett auf der Hauptversammlung 2018 von Berkshire Hathaway

Anleger sollten den Wert einer Investition immer daran messen, was diese Investition produziert, rät Buffett. Ganz egal, ob es sich bei der Investition um Aktien, eine Farm oder eine Immobilie handelt. Ein Unternehmen oder eine Farm kann Gewinne abwerfen, als Immobilieneigentümer kann man Mieten kassieren. Aber Gold produziert nichts.

Anleger sollten nicht auf Untergangspropheten hören und gar nicht erst versuchen, durch richtiges Timing Gewinne am Aktienmarkt zu erzielen, rät Buffett. Eigentlich könne ein Anleger nur zwei große Fehler machen: Zum falschen Zeitpunkt von Aktien begeistert zu sein oder die falsche Aktien kaufen. Aber wer über einen längeren Zeitraum in einen breiten Querschnitt amerikanischer Unternehmen Geld investiere, könne auf lange Sicht gar nicht falsch liegen, betont Buffett.

Zum Erscheinungszeitpunkt dieses Artikels läuft die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway noch und kann hier live verfolgt werden.


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