Kurzfristig wurde der Ölpreis vom Krieg Putins in der Ukraine befeuert. Dadurch ist er tendenziell (zu) hoch. Voraussichtlich wird er in eine Trading-Range zwischen 95 und 135 US-Dollar je Barrel bleiben. Wobei weitere Eskalationen ihn nochmal befeuern könnten. Irgendwann aber wird der Krieg, so oder so, zu Ende gehen. Aus humanitärer Sicht besser früher als später, wobei das auch die Finanzmärkte freuen würde.

Auf längere Sicht, acht bis zehn Jahre, sieht die Sache aber anders aus. Grundsätzlich bildet sich Marktpreise, das ist das Naturgesetz der Marktwirtschaft, aus Angebot und Nachfrage. Ein Preis fällt so lange bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht sind - und ein Preis steigt auch so lange bis Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht sind.

Um daher zu eruieren, wie sich ein Preis entwickeln wird, muss man Angebot und Nachfrage betrachten. Tun wir das jetzt mal beim Öl. Dazu muss ich jedoch leider ein wenig ausholen. Als ich in den 1990er Jahren noch zur Schule gegangen bin, lernten wir (in Erkunde) das Öl endlich sei und es in zwanzig bis dreißig Jahren kein Öl mehr geben würde.

Jetzt sind wir eben genau diese Zeit weiter und es gibt immer noch genügend Öl. Das liegt einfach daran, dass die Prognosen nie berücksichtigt haben, dass die großen Ölkonzerne viel Geld in die sogenannte Exploration investierten und so beständig neue Ölquellen entdeckten und erschlossen. Genau das aber ist in Zukunft ein großes Problem.

Ölkonzerne investieren kaum noch in die Exploration...

Denn aufgrund des Beschlusses der G7 die Welt in den nächsten 100 Jahren decarbonisieren zu wollen sowie unter dem Druck der Klimaschutzbewegung haben die großen Ölkonzerne - allen voran Exxon Mobil - quasi ihre Investitionen in die Exploration neuer Ölquellen nahezu eingestellt. Die Aktionäre freut das sogar, denn weniger Investitionen bedeuten mehr Geld für Aktienrückkäufe und Dividenden, zumindest kurzfristig.

Für den Ölmarkt bedeutet das aber, dass in den nächsten Jahren das Angebot tatsächlich bestenfalls gleich bleiben, vielleicht sogar sinken wird. Was politisch ja sogar nicht unbedingt unerwünscht genannt werden kann. Schließlich zielt man mit dem Beschluss der Decarbonisierung der Welt genau darauf ab. Das Problem ist nur, dass die Politik eben zugleich die Nachfrage nach Öl senken möchte. Aber ist das realistisch?

In der Vergangenheit jedenfalls erwiesen sich alle Prognosen, die den Ölverbrauch sinken sahen, immer als falsch. Es gab eigentlich nur eine Phase in den letzten Jahrzehnten, in denen es zumindest für einige Monate einen Nachfragerückgang gab, nämlich zu Beginn der Covid-19-Pandemie. Kein Wunder, denn hier wurde ja nahezu weltweit die Wirtschaft heruntergefahren, um dem SARS-CoV-2 Virus Herr zu werden.

Der Blick nach Norwegen

Darüber hinaus hilft auch ein Blick nach Norwegen. Norwegen ist bekanntlich ein großes Ölförderland. Die dortige Politik war jedoch clever genug die Einnahmen aus der Ölförderung in einem Staatsfonds zu bündeln, der inzwischen zum größten Staatsfonds der Welt mutiert ist. Aber ein wenig des Geldes, dass durch die Ölförderung in die Kassen fließt, dürfen die Politiker schon für ihre "Wohltaten" verbraten.

So wurde in Norwegen vor wenigen Jahren die Elektromobilität stark subventioniert. Dies führte soweit, dass der norwegische Markt zeitweise der wichtigste Absatzmarkt von Tesla war. Noch heute ist die staatliche Förderung dort hoch, aber ein wenig wurden die Subventionen doch reduziert. Dennoch wirken die damaligen Subventionen noch nach, so dass in Norwegen nahezu jedes zweite Auto elektrisch fährt.

Man würde nun annehmen, dass dadurch der Ölverbrauch Norwegens deutlich gesunken ist. Dem ist aber nicht so. Vielmehr hat sich der Ölverbrauch Norwegens in den vergangenen zehn Jahren nahezu konstant gehalten. Das ist durchaus besser als bei allen anderen Staaten der Welt, wo dieser eben weiter beständig gestiegen ist. Aber von einem sinkenden Verbrauch und einer sinkenden Nachfrage kann keine Rede sein.

Deutlicher Nachfragerückgang unwahrscheinlich

Wie geschrieben, haben die Norweger - kurioserweise mit ihren Einnahmen aus der Ölförderung - die E-Mobilität sehr stark subventioniert. So starke Subventionen wie in Norwegen gab es sonst nirgendwo und ich denke auch nicht, dass es so starke Subventionen in Deutschland, oder gar den doch glücklicherweise immer noch stärker marktwirtschaftlich denkenden USA, geben wird.

Ergo ist davon auszugehen, dass - trotz des durchaus laufenden Siegeszugs der Elektromobilität - in Deutschland oder den USA nicht in zehn Jahren jedes zweite Auto ein Stromer sein wird. Zuletzt rieten, aufgrund des Ukraine-Kriegs, sogar einige Bosse großer Autokonzerne den Verbrauchern explizit vom Kauf eines E-Autos ab. Denn auch der Strom ist teuer und wird immer teurer.

Insofern wäre es schon sehr verwunderlich, wenn die weltweite Nachfrage nach Öl in den nächsten Jahren nur konstant bliebe. Konkret rechne ich sogar eher damit, dass sie weiter steigt und steigt. So wie es ja auch in der Vergangenheit immer war. Natürlich kann ich falsch liegen. "Prognosen sind stets mit Unsicherheit behaftet, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", soll Mark Twain geschrieben haben.

Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte Preisexplosion zur Folge haben!

Wenn es aber tatsächlich so kommt, also auf der einen Seite das Angebot an Öl bestenfalls konstant gehalten wird, wahrscheinlich jedoch sogar sinkt und auf der anderen Seite die Nachfrage nach Öl wahrscheinlich steigt, dann kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Dieses Ungleichgewicht dürfte dafür sorgen, dass der Ölpreis zunächst langsam und dann immer schneller steigt.

Irgendwann werden die Spekulanten an den Börsen dieser Welt den stetig steigenden Ölpreis bemerken und auf weitere Preissteigerungen "wetten". So wird die Hausse die Hausse nähren, so wie wir es beispielsweise bei den Covid-19-Pandemie Gewinneraktien à la Zoom Video seinerzeit gesehen haben. In der Folge wird es dann zu einer Preisexplosion kommen.

Kurzfristig bin ich zwar nicht pessimistisch für den Ölpreis. Er wird derzeit aber nicht nur von Angebot und Nachfrage, sondern auch durch den Ukraine-Krieg und dessen Folgen ("Sanktionen") bestimmt. Daher sehe ich kurzfristig eher eine Seitwärtsbewegung zwischen 95 und 135 US-Dollar je Barrel. Langfristig aber sieht das anders aus.

Wer sich auch gegen rekordhohe Preise an der Tankstelle absichern möchte, kann sich daher durchaus auch mal die ein oder andere Aktie eines großen Ölkonzerns ins Depot packen. Zwar ist das kein Trade, sondern ein mittel- bis langfristiges Investment. Allerdings zahlen die meisten der großen Ölkonzerne ja auch nette Dividenden, die die Wartezeit bis zur Ölpreisexplosion überbrücken helfen.

Mehr zum Ölpreis erfahrt ihr auch, wenn ihr Euch dieses YouTube-Video von mir anseht: Der Ölpreis wird auf 500 US-Dollar steigen. Und jetzt, Feuer frei. Diskutiert ob diese Einschätzung aus Eurer Sicht richtig oder falsch ist. Gerne kontrovers, aber bitte mit sachlichen Argumenten. Denn nur eine sachliche Pro und Contra-Diskussion ist am Ende produktiv!