• TRY/USD - Kürzel: TRYUSD - ISIN: TRLTCMB00052
    Börse: FOREX / Kursstand: 0,15430 $

In der Spitze gibt die türkische Lira gegenüber dem Dollar 20 % an Wert ab. So etwas sieht man selten, insbesondere bei einer frei konvertierbaren Währung. Ist eine Währung an den Dollar gekoppelt und wird diese Kopplung plötzlich beendet, kann es zu großen Anpassungen kommen. Man muss dabei nicht einmal in weite Ferne schweifen. Man erinnere sich nur an die Aufhebung des Mindestkurses Euro/Franken. Der Euro verlor gegenüber dem Franken wie eine Ramschwährung in der Spitze 30 % an Wert.

EUR/CHF

Das Minus war am Ende der Panik deutlich kleiner. So ähnlich könnte es auch bei der Lira sein.

Die Lira wird langfristig nicht aufwerten. Da darf man sich keine Illusionen machen. Die Türkei hat eine tiefrote Handels- und Leistungsbilanz. Das übt ständigen Druck auf den Kurs aus.

TRY/USD

Je nach Zinsniveau, Inflation und Handelsbilanz kann man pro Jahr schon mit 10 % Abwertung rechnen. In diesem Jahr waren es schon 45 %. Das erscheint mir trotz der wahrlich nicht rosigen Lage übertrieben. Trump hat angekündigt, dass die Zölle auf Stahl und Aluminium für die Türkei verdoppelt werden.

ANZEIGE

Die USA sind großer Abnehmer von Stahl aus der Türkei. Fast 2 Mio. Tonnen importierten die USA im vergangenen Jahr. Das klingt nach viel und ist für die Stahlindustrie wichtig, doch für die Türkei kaum der Rede wert. Der Gegenwert entspricht ca. 1,2 Mrd. Dollar.

Die Türkei exportiert insgesamt Waren im Wert von ungefähr 80 Mrd. Dollar. 1 Mrd. mehr oder weniger bringt den Handel nicht aus dem Gleichgewicht. Der fundamentale Effekt der Zölle wird überschätzt. Meiner persönlichen Meinung sehen wir hier gerade einfach nur eine Panikreaktion.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob es noch schlimmer kommt. Eine unabhängige Zentralbank würde jetzt die Zinsen kräftig anheben. Derzeit liegt der Zinssatz bei knapp 18 %. Eine Anhebung auf 25 % oder 30 % würde die Lage schnell beruhigen.

Derzeit wird die Lira massiv leerverkauft. Das ist aber nicht gratis. Es kostet Zinsen bzw. genauer die Zinsdifferenz der Währungen. Anleger müssen für ihre Shorts mehr als 15 % pro Jahr zahlen. Verdoppelt sich dieser Betrag, weil die Notenbank die Zinsen anhebt, werden die Shorts irgendwann einfach zu teuer. Damit sich der Aufwand lohnt, muss die Währung dann in einem Jahr zumindest 30 % abgeben. Zumindest mittelfristig ist eine solche Abwertungsgeschwindigkeit nicht gerechtfertigt.

Am Montag oder Dienstag wissen wir mehr. Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass wir hier gerade den Höhepunkt der Panik sehen. Ich kaufe daher Lira zum Kurs (zum Dollar) von 6.48. 15-20 % Rendite sind möglich. Dreht der Kurs allerdings nicht schnell, wird verkauft. Es handelt sich um einen Trade. Geht er nicht auf (wissen wir wohl Anfang kommender Woche), wird geschlossen. Greift die Notenbank doch ein, können Gewinne innerhalb weniger Wochen realisiert werden.

Das Ganze ist hochriskant. Die Position muss entsprechend klein sein. Im Zweifelsfall sollte man auch lieber die Finger davon lassen, wenn man sich mit der Gesamtthematik nicht wohl fühlt.

Lesen Sie auch: