Schauen wir uns kurz extrem vereinfacht an, was passiert, wenn jemand Libra kauft (kaufen wird). Der Einfachheit halber wird dabei ignoriert, dass nicht Facebook selbst der Emittent sein wird, sondern die Libra Association.

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Beispiel:

Ausgangslage: A hat 1 Mio. EUR, F kann Libra "erzeugen", H hat Anleihen im Volumen von 1 Mio. EUR.

A hält 1 Mio. EUR, gibt sie an F=Facebook , um Libra zu erhalten.

F steckt 1 Mio. EUR in Anleihen aus einem bestimmten Kreis von Währungen (denn Libra soll "gedeckt sein) > Halter der Anleihen H erhält 1 Mio. in Cash.

Ergebnis: Es gibt jetzt im erweiterten Cash-Kreislauf 1 Mio. EUR bei H + Libra im Gegenwert von 1 Mio. EUR bei A. Die Anleihen liegen nun dafür bei F.

Ich vergleiche dies nun mit dem Fall, in dem A direkt Anleihen von H kauft.

A hält 1 Mio. EUR, gibt sie an H. A erhält die Anleihen, H hat nun die 1 Mio. EUR.

Ergebnis: Es gibt immer noch 1 Mio. EUR, sowie Anleihen im Volumen von 1 Mio. EUR. Wie in der Ausgangslage.

Un nun der Vergleich mit QE:

Zentralbank Z kauft H Anleihen im Volumen von 1 Mio. EUR ab, H erhält dafür neu geschaffene 1 Mio. EUR.

Ergebnis: A ist gar nicht involviert, hat also immer noch seine 1 Mio. EUR. Z hat nun die Anleihen, H hat 1 Mio. EUR. Es gibt nun 2 Mio. EUR cash plus die Anleihen.

Vergleichen wir nun die Schaffung der Libra mit dem QE

Der Kauf der Libra hat zwar die Menge an EUR nicht erhöht. Es gibt aber nun Libra im Gegenwert von 1 Mio. EUR zusätzlich.

Wenn man nun davon ausgeht, dass Libra im Grunde völlig analog zum gesetzlichen Zahlungsmittel genutzt wird (man kann also praktisch überall damit einkaufen, ohne vorher in andere Währungen zu tauschen), dann kann man Libra als Geld ansehen und dann hat sich durch den Kauf der Libra tatsächlich die Geldmenge erhöht. Es gibt somit eine bedeutende Ähnlichkeit mit der Wirkung von QE.

Wichtiger Unterschied:

Wie viel neues Geld durch Libra entsteht (oder auch vernichtet wird!) hängt nur davon ab, ob Menschen/Unternehmen/Organisationen gerade netto Libra kaufen oder verkaufen. Dagegen entscheidet die Zentralbank über QE selbst, wie viel neues Zentralbankgeld entsteht

Wird Libra ein riesiger Erfolg, dann wird es tatsächlich zu einer durchaus bedeutenden Geldmengenausweitung kommen, und diese könnte sehr wohl auch Auswirkungen auf die Geldpolitik haben.

Man muss sich dazu nur mal die oben genannten Beispiele in einer größeren Dimension vorstellen: Was wenn Libra im Billionen-Volumen geschaffen werden? Alles fließt über den Umweg der Libra Association direkt in Anleihen (=Auswirkung auf die Kurse=Auswirkung auf das Zinsniveau) PLUS es entsteht im gleichen Volumen ein Zahlungsmittel, das letztlich wie echtes Geld genutzt werden kann. Dies kann auch Auswirkungen auf die Inflation haben. Eben wie bei QE.

Natürlich auch andersherum: Werden aus irgendwelchen Gründen große Mengen Libra wieder zurückkonvertiert (was jederzeit möglich ist), so läuft der Effekt vice versa. Und das ist anders als bei QE - denn diesen Part hat die Zentralbank im Griff (sprich, ob sie die Bilanz abbaut und wie schnell, entscheidet sie selbst)

So völlig unbegründet sind die Sorgen der Zentralbanken nicht...aber Libra ist ein sehr spannendes Projekt. Es wäre schade, wenn es komplett scheitern würde.