• Apple Inc. - Kürzel: APC - ISIN: US0378331005
    Börse: NASDAQ / Kursstand: 139,822 $
  • Facebook Inc. - Kürzel: FB2A - ISIN: US30303M1027
    Börse: NASDAQ / Kursstand: 275,340 $

New York (Godmode-Trader.de) - Facebook ist in der Corona-Pandemie weiter kräftig gewachsen. Doch das Online-Netzwerk sieht sich einem gefährlichen Gegenspieler ausgesetzt: Dem iPhone-Konzern Apple. Vor allem der Plan aus Cupertino, Usern Kontrolle über ihre Privatsphäre einzuräumen, stößt im Hause Facebook übel auf. Apple-CEO Tim Cook sagte vor Jahren, dass Facebook seine Nutzer wie ein Produkt behandelt, um Geld mit Werbung zu verdienen, und mit ihrer Privatsphäre leichtfertig umgeht. Facebook-CEO Mark Zuckerberg kritisierte im Gegenzug, Apples Produkte seien überteuert.

Beide Firmen sind großartige, hoch innovative Technologieunternehmen. Doch da enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Denn nahezu der gesamte Umsatz von Facebook stammt aus der Werbung, bei Apple ist es nur ein verschwindend kleiner Teil. Der Konzern generiert seine Erlöse hauptsächlich mit Hardware und Dienstleistungen rund um den App Store.

Worum geht es konkret? Im vergangenen Jahr kündigte Apple an, eine Funktion namens „App Tracking Transparency" einzuführen, um den iPhone-Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten und ihre Privatsphäre zu geben. Sie werden damit verhindern können, dass Apps und Werbedienste Informationen über ihr Surfverhalten über die Grenzen einzelner Anwendungen und Websites hinweg sammeln. Entscheidend ist dabei, dass die Kunden zustimmen müssen, dass ihre Daten, die bisher standardmäßig weitergegeben wurden, von Apps wie Facebook genutzt werden können. Apple hat diesen Plan am Donnerstag noch einmal bekräftigt und die Umsetzung mit dem kommenden Betriebssystem-Update angekündigt.

Die geplante Änderung wäre ein großes Problem für Facebook, das gezielte, personalisierte Werbung verkauft, um damit horrende Gewinne zu generieren. Zuckerberg sagt offen, dass die Apple-Änderung dem Geschäft schaden wird. Ein Apple-Manager konnte sich in diesem Zusammenhang jüngst einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Diese Missachtung der Privatsphäre der Nutzer weitet sich immer weiter aus.“

„Facebooks Kultur ist die Ausbeutung seiner Nutzer".

Auch Roger McNamee, Technologie-Investor und Autor von „Zucked", einem kritischen Buch über Facebook und seinen Gründer Mark Zuckerberg, ist kein Fan des Online-Netzwerks. „Apples Kultur ist eine, die ihre Kunden befähigt", sagt McNamee, „Facebooks Kultur ist die Ausbeutung seiner Nutzer".

Facebook-CEO Zuckerberg kann bei der ganzen Kritik nicht souverän bleiben und er zahlt mit gleicher Münze zurück. „Sie (sic.: Apple) nutzen ihre dominante Marktposition, um ihre eigene Datensammlung zu bevorzugen, während sie es ihren Konkurrenten fast unmöglich machen, die gleichen Daten zu nutzen. „Sie behaupten, es ginge um Privatsphäre - aber es geht um Profit." Facebook will mit solchen Worten Salz in die Wunde streuen. Denn Apple ist offenbar wirklich der Meinung, dass es über das erhabenere Geschäftsmodell verfügt. Im Jahr 2018 sagte CEO Cook, dass er Facebook hätte folgen können, indem er Daten zum Verkauf von Werbung verwendet hätte, aber „wir haben uns entschieden, das nicht zu tun".

Facebook befürchtet nun, dass personalisierte Werbung mit weniger Wissen über die Vorliegen der Nutzer ungenauer wird. Dabei ist das Versprechen an die Werbekunden, präzise die gewünschte Zielgruppe zu treffen, ein Grundpfeiler von Facebooks Geschäftsmodell.

Zuckerberg hatte zuletzt kritisiert, schlechtere personalisierte Werbung würde vor allem kleinen und mittleren Unternehmen schaden. Dabei seien sie gerade in der Corona-Krise auf das Online-Netzwerk als Plattform für ihre Geschäfte angewiesen. Facebook sammele Daten aus verschiedenen Quellen, „um kleinen Unternehmen zu helfen, ihre Kunden effizienter zu erreichen", sagte er. Damit könne Apples Vorpreschen der gesamten Wirtschaft schaden. Der Facebook-Chef legte nach: „Ich möchte betonen, dass wir Apple verstärkt als einen unserer größten Konkurrenten sehen."

Doch hat Facebook nicht auch in einem Punkt recht? Versucht Apple tatsächlich, seine Marktdominanz zu nutzen, um Konkurrenten auszustechen? Obwohl Apples Werbegeschäft vergleichsweise klein ist, prognostiziert Morgan Stanley, dass die Werbeeinnahmen des Unternehmens in den nächsten Jahren stark steigen werden. Will es also Facebook daran hindern, Nutzerdaten zu sammeln, nur um selbst damit künftig Geld zu verdienen?

Weiß ist die Wäsche von Apple auch nicht

So ganz weiß ist die Wäsche von Apple auch nicht. Der Konzern ist derzeit in eine Reihe von Wettbewerbsverfahren verwickelt, weil er beschuldigt wird, mit seinem dominanten App Store marktmissbräuchlich zu agieren, um Entwicklern unfaire Bedingungen aufzuerlegen. Und dann gibt es auch noch Anschuldigungen, dass Apple beim Thema Steuern zur Tricks neigt, was das Unternehmen selbst freilich anders sieht.

Die Fehde zwischen Apple und Facebook trägt bizarre Züge. Die beiden Unternehmen konkurrieren nicht wirklich miteinander, dennoch können sie sich nicht ausstehen. Der seltsamste Part im Spiel der gegenseitigen Abneigung ist aber die Interdependenz. Das iPhone wäre für viele Kunden weitaus unattraktiver, wenn Facebook, WhatsApp und Instagram nicht darauf verfügbar wären. Auf der anderen Seite: würden sich die Leute nach anderen Social-Media-Plattformen umsehen, wenn sie Facebook nicht auf einem iPhone nutzen könnten?

Der Streit ist offensichtlich kultureller und vielleicht auch persönlicher Natur. Doch wegen der symbiotischen Beziehung wirkt die Fehde wie ein Scheingefecht, allerdings mit einem potenziell geschäftsschädigenden Faktor. Was Apple jetzt plant, könnte Facebook schwer zusetzen, eine entsprechende Reaktion dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Im vergangenen Quartal war noch kein Gegenwind im Facebook-Geschäft zu spüren. Der Umsatz stieg um ein Drittel auf knapp 28,1 Mrd. Dollar. Beim Gewinn gab es einen Sprung von 53 Prozent auf 11,2 Mrd. Dollar. Auch die Nutzerzahl legte weiter zu. Mindestens einmal im Monat kamen 2,8 Mrd. Nutzer zu Facebook - 60 Mio. mehr als ein Jahr zuvor. Zuckerberg sprach bei Vorlage der Zahlen aber von „bedeutenden Unwägbarkeiten" in der Zukunft.

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