Die USA haben seit Ende des Goldstandards ein chronisches Handelsbilanzdefizit. Obwohl US-Dollar nach Ende des Bretton-Woods-Systems nicht mehr zu einem festen Kurs in Gold getauscht werden konnten, behielt der Dollar sein Alleinstellungsmerkmal als stabile Reservewährung. Die Nachfrage nach Dollar ist aus diesem Grund seit jeher groß und sorgt für eine Überbewertung der Währung.

ANZEIGE

Ist eine Währung überbewertet, ist der Anreiz groß, im Ausland Produkte einzukaufen. Relativ gesehen ist das billiger, als sie selbst herzustellen. Solange der Dollar überbewertet bleibt, ist eine signifikante Reduktion des Defizits unrealistisch. Die Überbewertung kann nur enden, wenn der Dollar seinen Status als Reservewährung verliert. Das wird nicht so schnell geschehen. Die USA befinden sich seit Jahrzehnten immer im gleichen Dilemma. Auch Zölle und Marktöffnung ändern daran langfristig wenig.

Das Währungsproblem lässt sich durch Zölle und Chinas potentielle Marktöffnung nicht aushebeln. Es hilft auch nicht, wenn die USA einzelne Länder wie China herausgreifen. China hat zwar den mit Abstand größten Überschuss mit den USA, doch dieses Loch zu stopfen bringt für sich allein genommen wenig.

Zum einen ist das Defizit mit China nur auf den ersten Blick so groß, zum anderen würde eine Reduktion des Defizits mit China zu einer Ausweitung des Defizits mit anderen Ländern führen. Das Defizit ist mit China vor allem deswegen so groß, weil fertige Produkte wie iPhones aus China exportiert werden. Sie werden dort zusammengebaut.

Der Wert der iPhones wird China zugerechnet, dabei kommt ein Großteil der Komponenten aus anderen Ländern. Rechnet man diesen Effekt aus den Zahlen heraus, reduziert sich das Defizit der USA mit China um ein Drittel bis zur Hälfte.

Der zweite Aspekt ist aber vielleicht noch wichtiger. Die Grafik zeigt die Ländergruppen, die fast das gesamte Defizit ausmachen. Über die Jahre hat es bei den Anteilen eine große Verschiebung gegeben. Vor 30 Jahren kam das Defizit aus dem Handel mit Japan und den asiatischen Tigerstaaten.

Als die Löhne dort anstiegen, verschob sich das Defizit. Mit den Tigerstaaten haben die USA heute einen Überschuss. Stattdessen hat sich das Defizit mit China ausgeweitet. Wird nun das Loch mit China gestopft, dann wird das Defizit mit der Ländergruppe Vietnam, Indien, Thailand usw. wachsen. Diese Länder sind dabei, China langsam aber sicher als Werkbank zu ersetzen.

Wollen die USA über Handelspolitik ihre Ziele erreichen, dann hilft nur eines: die Grenzen müssen wirklich dichtgemacht werden. Andernfalls verschieben sich die Defizit einfach nur und es bleibt unterm Strich alles so wie es ist.

Clemens Schmale