• US 10Y Bond Yield - Kürzel: USDGB10J - ISIN:
    Börse: Bonds / Kursstand: 2,841 %
  • Gold - Kürzel: XAU/USD - ISIN: XC0009655157
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 1.316,350 $/Unze
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Wenn sich der Markt etwas in den Kopf setzt, ist es schwer, es wieder herauszubekommen. So half es nicht einmal, dass sich in der vergangenen Woche gleich mehrere Notenbanker recht deutlich zu den Zinsen äußerten. Zu hören war, dass der bisherige Weg beibehalten wird, also eine weiterhin schleichende Zinswende. Ein Notenbanker sagte zu der Spekulation, dass es vier Zinsschritte geben könnte, sogar sehr klar: sehe ich nicht.

Das hat den Markt nicht von seiner Fantasie abgebracht. Zuletzt stiegen die langfristigen Zinsen in den USA auf den höchsten Stand seit Jahreswechsel 2013/14. Es fehlen nur noch wenige Basispunkte, und ein Siebenjahreshoch könnte erreicht werden. Die Zinsentwicklung koppelt sich dabei immer weiter von der Realität ab.

US 10Y Bond Yield

Gold und Kupfer sind ein guter Indikator für das angemessene Zinsniveau. Grafik 1 zeigt dazu das Kupfer/Gold Verhältnis und die 10-jährigen Zinsen. Beide bewegen sich parallel. Das Kupfer/Gold Verhältnis zeigt dabei, welches Metall stärker steigt. Steigt das Verhältnis, hat Kupfer die Oberhand, fällt es, ist Gold stärker.

Kupfer war, ist und bleibt ein exzellenter Indikator für Inflation. Das Industriemetall trägt durch seinen eigenen Preis nicht nur zur Inflation bei, sondern ist auch ein guter Gradmesser für die Aktivität der Wirtschaft. Früher sagte es viel über die US-Wirtschaft aus. Heute ist es ein guter Gradmesser für die Weltwirtschaft und die Nachfrage aus aufstrebenden Ländern wie China.

Boomen Länder wie China, steigt die globale Nachfrage, nicht nur nach Industrierohstoffen wie Kupfer, sondern generell. Höhere Nachfrage beflügelt die Inflation. Ist die Nachfrage hingegen schwach und sind die Zeichen unsicher, ist Gold gefragt. Es zeigt weniger Preisdruck an.

Die Zinsfantasie, die die Zinsen nach oben gedrückt hat, hat sich in den letzten Wochen klar von der globalen Indikation (Kupfer/Gold Verhältnis) entkoppelt. Das gilt nicht nur hier, sondern auch an anderer Stelle. Globaler Preistreiber Nummer 1 bleibt nach wie vor der Ölpreis.

Grafik 2 stellt die Inflationserwartung dem Ölpreis gegenüber. Die beiden sind kaum voneinander zu unterscheiden. Seit den Ölpreistiefs Anfang 2016 geht die Schere zwischen Preis und Erwartung immer weiter auseinander. Die Inflationserwartungen haben bereits wieder den unteren Bereich der Range erreicht, die von 2010 bis 2014 galt. Das erscheint ziemlich überzogen.

Es wird 2018 einen Inflationsanstieg geben. Das ist fast unbestritten. Betrachtet man jedoch den Ölpreis und das Kupfer/Gold Verhältnis, dann sind sowohl die Erwartungen als auch die Zinsen von der Realität abgekoppelt. Die Erwartungen sind schlichtweg zu hoch.

Der Markt wird sich nun nicht so schnell von seinem Weg abbringen lassen. Mittelfristig erscheint die aktuelle Entwicklung jedoch maßlos überzogen. Ich vermute stark, dass wir nach dieser anfänglichen Übertreibung in diesem Jahr eine markante Korrektur der Erwartungen sehen werden.

Clemens Schmale