Was ist eigentlich Inflation? Wir haben uns (oder wurden) daran gewöhnt, nein wir sind geradezu konditioniert als Maß für die Geldentwertung einen Konsumentenpreisindex zu betrachten. Der enthält allerlei Waren. Da ist dann ein Joghurt drin, ein Stück Fleisch, Brot, der obligatorische DVD-Player etc. Und wir sind schon so weichgespült, dass wir denken die Welt ist in Ordnung, wenn dieser Index nicht allzu stark steigt, obwohl er nur sehr begrenzte Aussagekraft hat. Insbesondere der Siegeszug der hedonischen Preisberechnung führt dazu, dass die Teuerungsrate eigentlich systematisch zu niedrig ausgewiesen wird.

Es gibt aber auch eine andere Definition von Inflation, die viel sinnvoller ist: Nämlich die Ausweitung der Geldmenge abzüglich dem Wirtschaftswachstum. Nach dieser Definition IST die Ausweitung der Geldmenge die eigentliche Inflation, während die Preiserhöhungen ein Symptom derselben sind. Warum ist es sinnvoller, Inflation auf diese Weise zu betrachten?

Stellen Sie sich folgende Miniökonomie vor: Sie leben auf einer Insel zusammen mit einer Handvoll Personen. Als Währung vereinbaren Sie eine besondere Art Muscheln, die sehr selten ist.

Nun entdecken Sie selber zufällig ein großes Vorkommen dieser Muscheln, nutzen Sie aber noch nicht im Austausch mit den anderen Inselbewohnern. Demzufolge sind auch die Preise stabil. Wann ziehen diese an? Wenn Sie anfangen, das – frische - Geld (bzw. die Muscheln) auszugeben! Nach offizieller Lesart liegt nun Inflation vor. Aber der Grund für die Inflation, die erhöhte Anzahl Muscheln, lag schon vorher vor! Die nun steigenden Preise sind nur das Symptom.

In einer durchaus ähnlichen Situation befinden wir uns schon geraume Zeit. Zwar ist die durch die Finanzkrise die Geldschöpfung des Bankensektors temporär stark zurückgegangen, gleichzeitig haben aber die Zentralbanken die Geldbasis drastisch ausgeweitet. Der Unterschied zu dem Beispiel auf der Insel ist: Wir alle wissen, dass die Geldmenge im Mittel deutlich stärker steigt und steigen wird, als die Wirtschaft wächst! Und deswegen darf es uns im Gegensatz zu den Inselbewohnern auch nicht überraschen, wenn das Preisniveau anzieht. Der Immobilienmarkt in Deutschland zeigt uns nun was Sache ist, und auch die Mieten ziehen inzwischen deutlich an, wie neueste Zahlen belegen. Es ist auch absehbar, dass die Gewerkschaften höhere Abschlüsse fordern werden. Die Preisspirale ist in Gang, und nur die Notenbanken haben es in der Hand, sie zu stoppen.

Ihr Daniel Kühn