London/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Seit Jahrtausenden ist Gold begehrt, nur zurzeit will es wie es scheint kaum einer haben. In den vergangenen Monaten sind die politischen Unsicherheiten und die Befürchtungen einer weiteren Eskalation der Handelsstreitigkeiten vor allem zwischen den USA und China gestiegen. Gold als sichere Anlage konnte davon aber nicht profitieren, auch wenn die Aktienkurse gefallen sind. In diesem Jahr ist Gold um rund sechs Prozent günstiger geworden. Die Feinunze kostet aktuell rund 1.227 US-Dollar. Das sind fast 20 Dollar weniger als gestern in der Spitze.

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    Der Goldpreis gilt vielen als zu günstig. Viele Experten werfen die Flinte noch nicht ins Korn und trauen dem Gold mittelfristig wieder Aufwärtspotenzial zu. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitierte aus einer Erhebung der Bank of America Merrill Lynch, derzufolge sich viele der 231 befragten Fondsmanager, die zusammen ein Vermögen von 663 Mrd. Dollar verwalten, derzeit pessimistisch zu Gold äußerten. Rekordhohe netto 17 Prozent halten das Edelmetall für unterbewertet – um diesen Wert übersteigt der Anteil, die das glauben, den der Pessimisten.

    Niedrige Zinsen in Kombination mit einer anziehenden Inflation sowie erhöhter Unsicherheit an den Märkten dürfte dem Goldpreis Rückenwind verleihen, heißt es beim Fondsanbieter Bantleon. Andere Fondshäuser sind weniger optimistisch: Daniel Rauch, Portfoliomanager bei LBBW Asset Management, sagte dem Magazin Capital, dass auch eine dräuende Krise dem Goldpreis nicht viel nützen wird. Gold sei kein so sicherer Hafen mehr wie noch vor einigen Jahren. „Es unterliegt mittlerweile fast denselben Schwankungen wie andere Investments und reagiert zudem auf Entwicklungen an den Währungsmärkten.“ So war zuletzt vor allem die Aufwertung des US-Dollar dafür verantwortlich, dass der Goldpreis absackte.

    Auch beim jüngsten Preisrückgang spielt laut Commerzbank der Greenback eine "unrühmliche Rolle". Bei seiner Anhörung vor dem US-Senat hat Fed-Chairman Jerome Powell wie erwartet einen optimistischen Ausblick für die US-Konjunktur geliefert, so dass die US-Notenbank ihren graduellen Zinserhöhungszyklus fortsetzen dürfte. „Dies ließ dennoch den US-Dollar aufwerten und lastete somit auf Gold“, heißt es in einer tagesaktuellen Commerzbank-Analyse.

    Allerdings können sich auch die Frankfurter Fachleute den heftigen Preisabfall bei Gold nicht hinreichende erklären. „Ein mögliches Argument für die Preisschwäche könnte sein, dass Gold verkauft wird, um die Verluste in anderen Rohstoffsektoren auszugleichen“, so die Commerzbank. Allerdings gebe es für Finanzanleger nur wenige Möglichkeiten, überhaupt in Industriemetalle zu investieren, so dass wohl nur wenige Goldinvestoren bei Industriemetallen engagiert seien. Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg geht davon aus, dass Gold die Marke von 1.200 US-Dollar testen wird. „Möglicherweise finden sich bei diesem Niveau Schnäppchenjäger, die den Preisrückgang stoppen“.