Bei Wahlen gibt es mehrere Faktoren, die für den Ausgang entscheidend sind. In den meisten Fällen kann die regierende Partei nach ihrer ersten Amtszeit an eine zweite anschließen. Ein Machtwechsel bedeutet Unsicherheit. Kann der Amtsinhaber wiedergewählt werden, weiß man, was man kriegt. Daher werden US-Präsidenten nach einer Amtszeit häufig wiedergewählt. Ausnahmen zu dieser Regel gibt es. Zuletzt gelang es George H. W. Bush in den 90er Jahren nicht, eine zweite Amtszeit zu gewinnen. In diesen Fällen gibt es gute Gründe dafür. Wähler nehmen lieber die Unsicherheit einer neuen Regierung in Kauf, wenn die Lage ohnehin nicht gut ist. Die Lage ist in den USA derzeit alles andere als rosig. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Coronafälle steigen wieder. Allein das sollte für eine Wahlniederlage ausreichen. So klar ist die Sache nicht. In zwei Wochen wird gewählt und in zwei Wochen kann überraschend viel geschehen.

Als Trump an Covid erkrankte, konnte Biden seinen Vorsprung in den Umfragen und in den Wettbüros wieder deutlich ausbauen (Grafik 1). Ein solcher Vorsprung ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Bereits Anfang August lag Biden deutlich vorne. Der Vorsprung verschwand innerhalb von wenigen Wochen.


Es ist unwahrscheinlich, dass der Vorsprung innerhalb von zwei Wochen verschwindet. Statistisch aber hat der amtierende Präsident gute Chancen, wenn der Aktienmarkt steigt. Steigt der Aktienmarkt in den drei Wochen vor der Wahl, ist eine Wiederwahl sehr wahrscheinlich. Der Aktienmarkt müsste in den nächsten Tagen stark einbrechen, um keinen Rückenwind für Trump zu bedeuten.

Die wirtschaftliche Lage spricht für einen Machtwechsel. Die Tendenz auf dem Aktienmarkt spricht für Trump. Das ist zumindest die allgemeine Interpretation. Unternehmen, die von einer demokratischen Führung profitieren, können sich allerdings vom Gesamtmarkt absetzen. Zu diesen Unternehmen gehört alles, was mit erneuerbaren Energien zu tun hat.


Darüber hinaus favorisieren die Demokraten ein sehr großes zweites Konjunkturpaket. Infrastrukturinvestitionen stehen hoch auf der Agenda. Mittelfristig soll auch mehr in Forschung und Entwicklung und Bildung investiert werden. Diese Unternehmen können an der Börse überdurchschnittlich zulegen.

Anleger scheinen insgeheim auf einen Sieg von Biden zu setzen. Der Aktienmarkt hat nicht immer Recht, aber häufig. Für den Gesamtmarkt dürfte der Wahlausgang nicht von Bedeutung sein. Generell können Aktien nach einer Wahl gut performen, unabhängig davon, wer eigentlich gewinnt. Für einzelne Sektoren hat die Wahl Bedeutung. Erneuerbare Energien dürften unter Biden den Markt jahrelang schlagen.

Clemens Schmale


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