Noch vor wenigen Tagen hatten viele kluge Experten befürchtet, nach Griechenland könne womöglich bald Spanien für Turbulenzen in Europa sorgen. Und dann das: Am Freitag äußerte sich die Ratingagentur Moody's skeptisch zu den Aussichten italienischer Banken, woraufhin diese wegen massiver Kursverluste zeitweise vom Handel ausgesetzt werden mussten. Aus dem ursprünglich avisierten gemütlichen Wochenausklang wurde deshalb nichts. Die gute Stimmung war dahin, DAX und Dow Jones stolperten mit gehörigen Verlusten ins Wochenende.

Ein schwacher Trost blieb immerhin: Zum Handelsschluss in New York konnte der marktbreite S&P 500 die wichtige 200-Tage-Linie um Haaresbreite verteidigen. Zweimal hatte der Index in den vergangenen Tagen den wichtigen Durchschnitt nur leicht touchiert, nicht aber unterschritten. Damit besteht zumindest die Chance, dass die Börsen in der kommenden Woche zu der längst überfälligen Erholung ansetzen. Aus antizyklischer Sicht würde das sogar recht gut passen – dank Griechenland und Konsorten ist die Stimmung wieder einmal lausig...

Wobei wir nach einer solchen Woche natürlich nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen können.
Wie sagte meine Großmutter immer so treffend: „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not“. In diesen Tagen frage ich mich immer wieder, warum unsere Großmütter so viel klüger waren als unsere Politiker heute. Vielleicht, weil bei ihnen noch der viel gerühmte „gesunde Menschenverstand“ regierte?

Hätten sie, unsere Politiker, die simple Regel unserer Großmütter beherzigt, müssten wir uns heute nicht mit einer Finanzkrise von historisch einzigartigen Dimensionen herumschlagen. Und wir müssten uns nicht schon wieder die schwachsinnigen Argumente der Bundesregierung anhören, die wieder einmal von Steuersenkungen faselt.

Eine Bundesregierung, die diesen Namen verdiente, würde sich in guten Zeiten ein Finanzpolster zulegen, ganz wie unsere Großmütter. Dieses würde sie klug verwalten, um in schlechten Zeiten davon zehren zu können. Eine solche Regierung könnte dann die Steuern senken, wenn es sinnvoll und angebracht ist - etwa um in einer wirtschaftlichen Schwächephase Impulse zu setzen. Das wäre eine Politik mit Weitblick und Sachverstand.

Statt dessen verfrühstücken unsere Politiker die Steuergelder, die sie noch gar nicht haben, propagieren seit Jahr und Tag ein Leben auf Pump und wollen die Steuern zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt senken – in einer Phase, da die Schulden unseres Landes trotz ansehnlichen Wirtschaftswachstums geradezu explodieren.

Dass eine solche Politik vielleicht ein paar Wählerstimmen bringt, ansonsten aber geradewegs auf den Pfad der Griechen, Portugiesen, Italiener und Spanier führt, das wollen die Verantwortlichen natürlich nicht hören. Selbstverständlich nicht. Es sind ja die gleichen Leute, die unser Finanzsystem durch zu viele billige Kredite an den Rand des Zusammenbruchs geführt haben. Und denen jetzt, wie im Falle Griechenlands, als Lösung des Problems nichts besseres einfällt als noch mehr Schulden aus dem Hut zu zaubern. 110 Milliarden im vergangenen Jahr, jetzt noch einmal 80 oder 120 Milliarden, was macht das schon...

Glücklicherweise werden sich die Banken jetzt daran beteiligen. Freiwillig wie es heißt. Das muss auch extra betont werden, weil es anders als „freiwillig“ nämlich nicht geht. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder hat uns das bei Maybrit Illner am Donnerstag im ZDF erklärt:

Für alles andere als eine freiwillige Beteiligung der Banken an der Rettung Griechenlands fehle „jede rechtliche Grundlage“, sagte Kauder. Die Rechtslage sei eindeutig. Kauder vergaß zu erwähnen, dass auch die Verträge von Lissabon und Maastricht eindeutig sind. Diese verbieten den europäischen Staaten eine Haftung für die Schulden ihrer Nachbarländer.

„Alles freiwillig“!

In der gleichen Sendung konnte auch Andrea Nahles glänzen. Nicht zum ersten Mal machte die Generalsekretärin der Sozialdemokraten den Sachverstand der Opposition in Finanzfragen vor einem Millionenpublikum deutlich. Nahles forderte, man müsse die Spekulanten endlich über eine Finanztransaktionssteuer an die Kandare nehmen und den Rating-Agenturen ordentlich auf die Finger klopfen, schon werde man die Krise in den Griff bekommen.

Dass hier wieder einmal Ursache und Wirkung verwechselt werden, ist eigentlich zweitrangig. Bedeutender ist die Erkenntnis, dass die weltweite Staatsschuldenkrise angesichts derart geballter Kompetenz ihr Werk jetzt konsequent verrichten wird.
Und in ein paar Jahren, wenn wir alle die Scherben zusammengekehrt haben, dann wird auch die Zeit für die weisen Ratschläge unserer Großmütter wieder kommen...

Wie wir die Börsenlage einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de