Keine Frage, die meisten haben sich wohl ein anderes Resultat gewünscht. Die Analyse zum sportlichen Teil überlasse ich unseren Fernsehsendern und Zeitungen. Diese werden dazu vermutliche Dutzende Stunden bzw. tausende Seiten aufwenden. Es gibt in der Sache aber auch etwas, was Anleger lernen können.

Mit jeder Minute, die in der zweiten Halbzeit verging, wurde die Mannschaft nervöser. Das ist verständlich. Es drohte nicht nur der Verlust des Siegs in diesem einen Spiel, sondern gleich das Ausscheiden aus der WM. Was Mannschaften dann häufig tun, verbessert die Lage nicht.

Ob nun die deutsche Mannschaft oder eine andere, die vor einem großen Verlust steht, sie alle geraten früher oder später in Panik. Der Druck ist einfach zu groß. Bei der deutschen Mannschaft zeigte sich das, indem am Ende auch der Torwart mit nach vorne marschierte.

Ein Torwart ist eine Art Risikomanager. Versagt die Abwehr, kann der Torwart die Lage noch retten. Wenn er nicht im Tor steht, geht das natürlich nicht. Oftmals rächt sich das. Das war im Spiel eindrucksvoll zu sehen. Alle Prinzipien und Disziplin werden über Bord geworfen, um das Verlieren doch noch abzuwenden. Die Folge: das Verlieren wird umso dramatischer.

So ist es auch an der Börse. Solange wir uns in einer Schönwetterperiode befinden, haben wir alle gute Vorsätze und tolles Risikomanagement. Wenn es dann jedoch brenzlig wird, werden wir nervös. Türmen sich die Verluste auf und erkennen wir am Ende des Tunnels eine Katastrophe (wie am Ende des Spiels gegen Südkorea), wird es immer verlockender, Prinzipien über Bord zu werfen.

Gibt es erst einmal Verluste, soll man dann wirklich noch den Stop Loss ziehen? Wenn das ganze Depot schon bei -30 % steht, bringt das überhaupt noch etwas?

Anstatt Risikomanagement zu betreiben und die Downside einzudämmen (Manuel Neuer wäre im Tor geblieben und hätte wohl das 2:0 verhindert), wird gerne nachgelegt, am besten mit Hebel. So lässt sich der Verlust schneller wieder ausgleichen. Wenn es dann nicht so läuft wie gedacht und der Markt weiter fällt, ist die Katastrophe perfekt.

Anstatt tief durchzuatmen und Ruhe zu bewahren, wird irrational agiert und noch mehr riskiert. Das geht meistens schief. In einer schwierigen Lage zu viel Risiko einzugehen hat schon so manchen Anleger in den Ruin getrieben. Panik ist einfach ein schlechter Ratgeber.

Nachdem der Markt wieder zunehmend nervös wird und ein Durchbruch nach unten alles andere als ausgeschlossen ist, sollte man sich daran erinnern. Wer es noch nicht getan hat, sollte gedanklich durchspielen wie sich Verluste begrenzen lassen, um überhaupt nicht erst in eine Ecke gedrängt zu werden, die einen dann zu ungeschickten Schachzügen verleitet.