In den meisten Ländern kehrt wieder Normalität ein. Die Zahl der Neuinfektionen geht in vielen Ländern in Europa stetig zurück. Für Schweden gilt das nicht. Hier blieben die Neuinfektionen lange Zeit hoch und erreichten zuletzt eine neue Dimension (Grafik 1). Der Lockdown hat in Ländern wie Deutschland das bewirkt, was er sollte: die Kurve abflachen.


Die Überlastung des Gesundheitssystems wurde verhindert und viele Leben gerettet. Trotzdem wird der Lockdown auch kritisiert. Die Wirtschaft ist innerhalb von zwei Monaten komplett zusammengebrochen. Das ist schmerzhaft. Der Aufschwung, der seit einigen Wochen läuft, gewinnt allerdings an Fahrt. In Schweden ist das nicht der Fall.

Schweden hinkt stattdessen um ungefähr einen Monat hinterher. Im März, als der Lockdown in Deutschland begann, fiel auch der Einzelhandelsumsatz. In Schweden kam es erst im April dazu (Grafik 2).

Ähnlich sieht es bei der Industrieproduktion aus (Grafik 3).


Dort, wo bereits Daten für Mai vorhanden sind, zeigt sich in Deutschland ein Rebound. Ein solcher Datensatz sind die Pkw-Neuzulassungen. Hier kommt es in Deutschland und allen Ländern, die den Lockdown beendet haben, zum Aufschwung. In Schweden gehen die Neuzulassungen zurück.

Aktuell sieht es trotzdem so aus, als würde der Schaden für die Wirtschaft in Schweden geringer ausfallen als im Rest Europas. Es ist allerdings noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. Derzeit deutet alles darauf hin, dass der Einbruch in Schweden langsamer erfolgt, aber eben trotzdem stattfindet.

In einem Jahr können wir erst feststellen, ob Schweden am Ende wirtschaftlich besser davongekommen ist. Wetten würde ich darauf nicht. Lockdown-Länder hatten einen starken Einbruch, dafür war dieser kurz. Schweden einen weniger starken Einbruch zu verzeichnen, doch dieser dürfte noch Monate weitergehen.

Das sagt auch viel über eine mögliche zweite Infektionswelle aus. Regierungen dürften auf einen generellen Lockdown verzichten. Das macht die Bevölkerung nicht mit. Doch selbst ohne Lockdown zeigt Schweden, dass der Konsum zurückgeht, die Menschen sparen, Unternehmen weniger produzieren usw.

Selbst ohne staatlich verordnete Schließungen ist nicht alles in Ordnung. Menschen sind auch ohne Anordnung besorgt und verhalten sich anders als sonst. Eine zweite Infektionswelle im Herbst wird nur schwer zu vermeiden sein. Egal wie Regierungen dann handeln, die Wirtschaft dürfte wieder einbrechen.

An der Börse spielt das aktuell kaum eine Rolle. Anleger sollten diese zweite Welle aber unbedingt im Blick behalten. Braucht die Wirtschaft ein zweites Mal gigantische Stützungsmaßnahmen, kommen auch Notenbanken so langsam in Bedrängnis. Es wäre wirtschaftlich und für die Börse eine Katastrophe.

Clemens Schmale


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