Mitnichten. Die Krise geht gerade erst los. Medien haben einfach nur das Interesse an der Krise verloren. Die fehlenden Meldungen bedeuten also nicht, dass es in China keine Immobilienkrise mehr gibt.

Die Medien bleiben damit ihrer Linie treu. Oftmals flackert ein Thema kurz auf und wird dann vergessen, nicht nur von den Medien, sondern auch von den Anlegern. Das ist selbst bei großen Krisen immer wieder zu beobachten, auch bei den letzten zwei.

Die Finanzkrise hätte eigentlich für niemanden überraschend kommen müssen. Anfang 2008 gab es erst spektakuläre Fehlspekulationen. Mehrere Hedgefonds, die auf Immobilienpapiere wetteten, gerieten in Schieflage. Kurz darauf musste die Investmentbank Bear Stearns gerettet werden.

Danach gab es monatelang keine Meldungen mehr, bis die Krise plötzlich im September eskalierte. Der Aktienmarkt folgte dabei der Berichterstattung. Anfang 2008 war das Umfeld schwierig. Im Frühjahr konnte sich der Markt beruhigen und seitwärts laufen. Dann ging es plötzlich ganz schnell.

Bei der Coronakrise war es nicht anders. Es ging alles nur sehr viel schneller. Ende Januar 2020 flackerte die Krise erstmals auf. Der Markt korrigierte. Kurz darauf erreichte der Markt neue Allzeithochs. Wenige Wochen später stand der Markt 30-40 % tiefer.

Ob der Verlauf der chinesischen Immobilienkrise ähnlich sein wird, sei dahingestellt. Chinas besondere Art, Probleme zu managen, anstatt sie eskalieren zu lassen, ist schwer vorhersehbar. Chinesische Immobilienentwickler schlittern jedenfalls dem Bankrott entgegen.

Immer mehr Anleihen von Entwicklern befinden sich im freien Fall. Grafik 1 zeigt eine kleine Auswahl an Anleihekursen. Bei manchen Anleihen kann man beinahe von einem Totalverlust sprechen. Bei den jeweiligen Aktien sieht es nicht besser aus.


Inzwischen gibt es kaum noch Unternehmen, deren Anleihen nicht eingebrochen sind. Es ist ein regelrechtes Lauffeuer. Der Teufelskreis hat damit begonnen. Die Probleme beginnen erst langsam. Man denkt, dass sie isoliert sind. In diesem Fall ging man erst davon aus, dass nur China Evergrande betroffen ist.

Immer mehr Unternehmen haben allerdings Zinszahlungen verpasst. Die Anleihekurse haben reagiert. Inzwischen reagieren auch Ratingagenturen und stufen Immobilienentwickler reihenweise ab (Grafik 2). Das führt zu einer negativen Kursreaktion und am Ende zu einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Mit schlechten Ratings können sich Unternehmen am Kapitalmarkt kein Geld mehr beschaffen. Die Liquiditätskrise spitzt sich weiter zu.


Bisher folgt die Immobilienkrise dem typischen Verlauf einer Krise. Peking hat den Teufelskreis aus Herabstufungen und daraus resultierender Liquiditätskrise bisher nicht durchbrochen. Anleger ignorieren das Thema derweil. Das könnte sich noch als Fehler herausstellen.

Clemens Schmale


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