Nahrungsmittelknappheit nährt Unruhen von Mexiko bis Pakistan und das Wort Wasserknappheit dominiert die Schlagzeilen in Australien und Spanien. Vor diesem Hintergrund regt Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer der Bank Sarasin & Cie AG, einen Paradigmenwechsel an: Die größte Gefahr für die stockende Weltwirtschaft bilde nicht die Kreditkrise, sondern vielmehr die Tatsache, dass Grundbedürfnisse langfristig nicht mehr befriedigt werden können, so der Anlagestratege in einem aktuellen Marktkommentar.

Der Klimawandel, die Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum in Kombination mit kurzsichtigen Methoden der Politiker seien die Ursachen von Preisinflationen im Nahrungsmittelsektor. "Wasser ist der limitierende Faktor der globalen Nahrungsmittelproduktion. Die Agrarwirtschaft verschlingt 70 Prozent der weltweiten Wasserreserven", warnt Varnholt. Gleichzeitig werde die Wasserknappheit verschärft durch Urbanisation, die sinkenden Grundwasserspiegel und das Vorrücken der Wüsten.

Als Reaktion auf die sozialen Unruhen hätten einige Regierungen Preislimits festgesetzt. Nach Einschätzung von Varnholt ist dies jedoch kein geeignetes Mittel, um die Nachfrage zu kontrollieren oder die Vorräte zu schonen. Vielmehr werde so die Produktion gebremst, da die Bauern natürlich nicht unter Marktpreisen produzieren wollen. Traditionelle Agrarexportnationen wie Argentinien, Brasilien, Russland, die Ukraine und Kanada hätten bereits erste Exportbeschränkungen eingeführt, was die Kräfte des Marktes noch weiter aus dem Gleichgewicht bringe.

Die Wasserknappheit habe einen direkten Einfluss auf die Nahrungsmittelproduktion, erläutert Varnholt. Im Süden Asiens sei etwa die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche bis zur Unfruchtbarkeit zerstört worden. China habe jährlich 2.500 km2 und damit insgesamt nahezu ein Drittel der kultivierbaren Fläche verloren. Ebenfalls in China seien zwei Drittel der Wasserquellen versiegt, da sie das Grundwasser, welches auf 100 Meter unter den Meeresspiegel gefallen ist, nicht mehr erreichen. Chinas Behörden hätten zudem bereits bestätigt, dass mehreren Großstädten - darunter Peking - bis 2025 das Grundwasser ausgehen wird. Um den Bedarf zu decken, wären Entsalzungsanlagen notwendig, welche eine um 400fach höhere Kapazität aufweisen, als die bisher größte existierende Entsalzungsanlage.

Autor: Thomas Gansneder, zuständiger Chefredakteur von BörseGo Fonds