Kontinuierlich bergauf ging es in der vergangenen Woche an den Aktienmärkten. Der Cocktail aus Konjunkturdaten, FED-Protokoll und rückläufigem Ölpreis hat den Marktteilnehmern offensichtlich gut geschmeckt. Amerikanische und Europäische Standardtitel weisen mit den jüngsten Zugewinnen eine attraktive Performance seit Jahresanfang auf. Japan hinkt hinterher.

USA: Daten treffen den Nerv der Anleger

So wie in der vergangenen Woche wünscht man sich die Aktienmärkte: ohne Schwankungen kontinuierlich steigend. Auf diesem Pfad hat der Dow Jones zuletzt 1,6 Prozent hinzugewonnen. Für Auftrieb sorgte unter anderem die Veröffentlichung des Protokolls zur letzten Sitzung der US-Notenbank FED, auf der der Zinserhöhungszyklus zunächst gestoppt wurde. Das Protokoll offenbarte nun, dass die Währungshüter große Bedenken hegen, dass die Zinsschraube mit einer weiteren viertel Umdrehung möglicherweise zu fest angezogen werden könnte - mit entsprechend negativen Folgen für die US-Wirtschaft. Nur eines der zehn Gremiumsmitglieder sprach sich gegen die Zinspause aus, die damit also breite Zustimmung unter den Währungshütern findet. Das legt den Schluss nahe, dass die Zinspause längeren Bestand hat. Zumal wichtige Konjunkturindikatoren keinen Handlungsdruck erkennen lassen. So sind zum Beispiel die Lohnkosten im September nur minimal gestiegen, wie im Arbeitsmarktbericht für September mitgeteilt wurde. Erfreulich an diesem Bericht war zudem der Stellenzuwachs von 128.000, was erstens knapp über den Analystenerwartungen und zweitens auch über den ursprünglich gemeldeten Zuwächsen in den vier Monaten zuvor lag. Die non-farm-payrolls trafen somit genau den Nerv der Anleger: solide, aber nicht zu stark. Die übrigen Konjunkturdaten der abgelaufenen Woche passten ebenfalls in dieses Raster.

Außerdem gab es Erfreuliches von den Unternehmen. Ebay begeisterte mit einer Kooperation mit Google. Obwohl die Zusammenarbeit erst 2007 startet und die finanziellen Auswirkungen noch im Dunkeln liegen. Allein der Fakt, dass man mit Google paktiert, ließ die Aktien von Ebay um 11 Prozent im Wochenverlauf zulegen. Das zeigt deutlich, welchen Stellenwert Google in der Wirtschaftswelt mittlerweile hat. Die Anteilsscheine von Intel zogen ebenfalls kräftig an. Zum einen wurde bekannt, dass sich der weltweite Branchenumsatz mit Halbleitern im Juli um 11,5 Prozent gegenüber Vorjahr erhöhte. Zum anderen verdichteten sich Gerüchte, dass Intel in Kürze einen Restrukturierungsplan veröffentlichen will. Medien berichteten, dass umfangreiche Stellenstreichungen vorgesehen seien. Jeder Stein werde umgedreht, hieß es.

Europa: EZB hebt Wachstumsprognose an

Das Top-Ereignis in Europa war zuletzt die Sitzung der Europäischen Zentralbank. Erwartungsgemäß wurde der Leitzins bei 3,0 Prozent belassen. Allerdings wurde die nächste Erhöhung bereits recht deutlich angekündigt. Außerdem veröffentlichten die EZB-Volkswirte ihre neuesten Projektionen für Wachstum und Inflation. Der Korridor für das BIP-Wachstum in 2006 wird danach um 0,4 Prozentpunkte auf 2,2 bis 2,8 Prozent angehoben. Auch 2007 wird mit 1,6 bis 2,6 Prozent erheblich freundlicher gesehen als bisher. Freilich geht damit ein stärkerer Inflationsdruck einher, dem die EZB allerdings mit ihren Zinserhöhungen auch entgegentritt. Die gestiegenen Wachstumserwartungen können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone an Dynamik verlieren wird. Selbst die EZB sieht nach maximal 2,8 Prozent im laufenden Jahr 2007 nur noch höchstens 2,6 Prozent, was jedoch immer noch einem Wachstum über Potenzial entspräche.

Bei den Unternehmen standen zwei Sorgenkinder im Blickpunkt. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis musste die Gewinnprognose drastisch senken, weil der kanadische Generikahersteller Apotex den amerikanischen Markt mit einem Konkurrenzprodukt zu Plavix eingedeckt hat. Das Blutverdünnungsmittel ist das zweitwichtigste Produkt von Sanofi-Aventis. Ein US-Gericht hat jetzt zwar entschieden, dass der Konkurrent vorerst kein weiteres Plavix-Generikum ausliefern darf. Höchstwahrscheinlich aber hatte Apotex mit den bisherigen Auslieferungen die Nachfrage bis Jahresende bereits gestillt. Das Verfahren über das Plavix-Patent beginnt Ende Januar 2007. Sorgenkind Nummer Zwei ist die Deutsche Telekom. Der von Margenerosion und Kundenschwund gebeutelte Konzern hat in der vergangenen Woche neue Tarife vorgestellt, die die Marktteilnehmer allerdings nicht als den großen Wurf empfanden. Indes entzündete sich eine heftige Personaldiskussion um den Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, dem so mancher Börsianer Strategielosigkeit und mangelnde Durchsetzungskraft vorwirft. Ricke hat nun Eckpunkte einer Strategie bis 2010 entwickelt, die in Kürze mit Leben und vor allem auch Zahlen gefüllt werden sollen. Ziel sei es, die Deutsche Telekom bis 2010 zum führenden Telekom-Konzern Europas zu machen sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag.

Japan: Rückenwind vom Devisenmarkt

Auch der japanische Aktienmarkt tendierte weiter aufwärts. Unterstützung erhielten die Dividendentitel sowohl vom rückläufigen Ölpreis als auch vom Devisenmarkt. Sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber dem Euro gab der Yen nach. Der Export floriert also weiter. Gegenüber dem Euro fiel der Yen zuletzt sogar auf ein Allzeittief. Verantwortlich für die willkommene Währungsschwäche ist vor allem der markante Zinsunterschied zwischen Japan einerseits und der Eurozone sowie den USA andererseits. Daran dürfte sich auch sobald nichts ändern.

Ausblick: US-Konjunkturdaten am laufenden Band

Die laufende Woche ist datenmäßig recht übersichtlich. Bei den Unternehmensberichten gibt es noch einige Nachzügler aus Frankreich und Italien. Bei den Konjunkturdaten stechen am Mittwoch die Aufragseingänge der deutschen Industrie und am Donnerstag die deutsche Industrieproduktion (jeweils für Juli) hervor. Hinzu kommen Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone und aus den USA. Bemerkenswert aus deutscher Sicht ist am Dienstag die regelmäßige Überprüfung der deutschen Aktienindizes. Dabei wird auch der Austauschkandidat für Schering im DAX festgelegt. Das Rennen dürfte die Deutsche Postbank gemacht haben.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 140,2 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende November 2005. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten- Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.