Die meisten Prognosen seit Pandemiebeginn stellten sich als falsch heraus. Das gilt sowohl für die Wirtschaft als auch für die Börse. Lockdowns hatten zunächst die erwarteten Folgen. Die Wirtschaftsleistung brach ein. Es wurde davon ausgegangen, dass die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr 2020 je nach Land zwischen 8 % und 12 % einbrechen würde. Am Ende kam es deutlich besser. In den USA lag das Minus am Ende nur bei 2,3 %. Die Erholung war kräftiger als erwartet. Man kann sagen, dass darauf gelernt wurde. Daher werden nun die Prognosen für die kommenden Quartale bis Ende 2022 nach oben korrigiert. Es wird das in die Zukunft extrapoliert, was in den vergangenen zwei Quartalen beobachtet wurde. Öffnet die Wirtschaft, gibt es einen Boom. Für die Börse ist dieser Boom zentral. Die Kurse spiegeln hohe Erwartungen wider. Das Gewinnwachstum muss hoch sein. Andernfalls lassen sich die Kurse nicht rechtfertigen. Anleger und Ökonomen sind sich gleichermaßen sicher, dass der Boom stattfinden wird...

Persönlich wäre ich mir da nicht so sicher. Es fehlt historisch an Vergleichen. Nicht zuletzt deswegen sind Prognosen im aktuellen Umfeld schwierig. Der Boom wird jedoch damit begründet, dass Menschen während der Krise viel gespart haben und dieses Geld nun ausgeben wollen.

Historisch gibt es nur eine Periode, die von der Logik her der heutigen Lage gleicht. In den USA wurde die Wirtschaft während des Zweiten Weltkrieges stark gelenkt. Anstatt Konsumgüter zu produzieren, wurde Kriegsgerät gebaut. Verbraucher hatten daher keine andere Wahl, als zu sparen.

Viele Güter wurden zudem rationiert. Produkte waren nicht verfügbar, egal welchen Preis Verbraucher auch zu zahlen bereit gewesen wären. Vor allem Güter waren knapp. Der Konsum von Dienstleistungen stieg während der Kriegsjahre weiter.

Der Güterkonsum (Wohnen, Transport in Grafik 1) ging teils massiv zurück. Der Konsum ist für alle Segmente auf 100 im Jahr 1937 indexiert. Beim Transport, der größtenteils den Kauf von Autos darstellte, halbierte sich der Konsum.


In den Jahren nach Kriegsende geschah das, was man erwarten würde. Es wurde mehr von dem konsumiert, was zuvor rationiert war. Der Gesamtkonsum aber stagnierte für kurze Zeit. Konsumenten hatten viel Erspartes, gaben es aber ganz offenbar nicht aus.

In der Pandemie war es zunächst umgekehrt. Dienstleistungen konnten nicht konsumiert werden. Restaurants waren geschlossen, ebenso viele andere persönliche Dienstleistungsbetriebe. Dafür stieg der Güterkonsum. Dieser beginnt sich bereits zu normalisieren. Er geht zurück (Grafik 2). Dafür nimmt der Konsum von Dienstleistungen wieder zu.


Dienstleistungen werden allerdings nicht sprunghaft mehr konsumiert. Bei Gütern kann nach Verknappung tatsächlich mehr gekauft werden. Sind Restaurants und Friseure geschlossen, lässt man sich deswegen nach Öffnung nicht unbedingt zweimal so häufig die Haare schneiden.

Alle sind sich sicher, dass der Konsum die Wirtschaft weiter massiv antreibt. Bei der einzigen verfügbaren Parallele, die zugegebenermaßen schon eine Weile zurückliegt, zeigte sich ein anderes Bild. Nach einer kurzen Aufholjagd stellte sich heraus, dass das zusätzlich Ersparte nicht einfach in den Konsum floss. Wieso es diesmal anders sein soll, konnte bisher noch niemand erklären.

Clemens Schmale


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