Munsbach (GodmodeTrader.de) „Sell in May and go away” – das bekannte Sprichwort aus der Finanzwelt beschreibt überspitzt eine gewisse Underperformance einiger Aktien im Sechsmonatszeitraum von Mai bis Oktober im Vergleich zum Zeitraum von November bis April. So stellt sich vielen Anlegern derzeit die Frage, ob sie ihre Aktien nach den Anstiegen der vergangenen Monate halten oder doch lieber verkaufen sollten, wie Christian Schmitt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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„Zwar findet das Sprichwort aus empirischer Sicht einige historische Belege und die Sommermonate sind zumindest im Durchschnitt die schwächsten Monate in Bezug auf die Performance“, sagt Schmitt. „Dennoch ist dies nur ein Argument von vielen, das Anleger bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen sollten – es gibt noch eine Reihe weiterer, die viel wichtiger sind.“

So folgten aus empirischer Sicht auf starke Preisbewegungen über einen Dreimonatszeitraum hinweg tendenziell überdurchschnittliche Renditen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten. „Eine kleinere kurzfristige Konsolidierung ist allerdings ebenso möglich, die meisten Marktteilnehmer nennen dies in der Regel eine gesunde Konsolidierung. Diese sind jedoch im Durchschnitt nicht signifikant genug, um eine Portfoliopositionierung allein deshalb anzupassen“, sagt Schmitt.

Allein die Tatsache, dass der aktuelle Kalendermonat Mai sei und Aktien seit Jahresbeginn bereits deutliche Kursgewinne verzeichnet hätten, reiche nicht aus, um Aktien zu verkaufen. „Nach Betrachtung aller makroökonomischen und geldpolitischen Faktoren, der Fundamentaldaten und Bewertungen sowie der Signale aus anderen Anlageklassen wie Rohstoffe, Währungen und Fixed Income, gehen wir nach wie vor von einem unterstützenden Marktumfeld für Aktien aus“, sagt der Experte.

Zwar befände sich die Weltwirtschaft seit Anfang 2018 in einer konjunkturellen Schwächephase, vor allem im verarbeitenden Gewerbe. „Derzeit erwarten wir aber nicht, dass sich diese Konjunkturabschwächung zu einer globalen Rezession entwickelt. So können wir erste Anzeichen erkennen, dass das Schlimmste bereits vorbei sein könnte“, sagt Schmitt. Allerdings dürften laut dem Experten sowohl wirtschaftliche als auch politische Unwägbarkeiten noch einige Zeit bestehen bleiben. „Im aktuellen Umfeld erhöhter Unsicherheit wollen wir weder zu zyklisch noch zu defensiv positioniert sein. Die besten Risiko-Ertragsprofile finden sich aus unserer Sicht derzeit in qualitativ hochwertigen Geschäftsmodellen mit strukturellen Wachstumstreibern“, sagt Schmitt.

Demnach könnten Anleger bei solchen Modellen gleich auf zwei Arten profitieren. „Investoren können auf der einen Seite an der längerfristigen positiven Geschäftsentwicklung partizipieren, auf der anderen Seite sind potenzielle kurzfristige Risiken aufgrund der hohen Qualität der Unternehmen in den meisten Fällen begrenzt.“ Solche Aktien seien im Allgemeinen in fast allen Sektoren und Regionen zu finden. „Dennoch bevorzugen wir aus der Top-Down-Perspektive weiterhin die USA gegenüber europäischen Titeln, da die Liste der möglichen Risiken für diese im Vergleich zu ihren US-Peers nach wie vor viel länger ist“, sagt Schmitt.

Laut Schmitt sei es zudem an der Zeit, im Portfolio auch etwas Cash zu haben. „Die Gründe dafür sind einfach: Einerseits ist es definitiv nicht der Zeitpunkt, den All-in-Call für Aktien zu machen. Andererseits rentieren die Alternativen im Euro-Festzinsraum kaum über Null“, erläutert Schmitt. „Daher ist es derzeit sinnvoll, im Portfolio über Geldmittel oder erhöhte Liquidität zu verfügen.“