• ARS/USD - Kürzel: ARSUSD - ISIN:
    Börse: FOREX / Kursstand: 0,01717 $

New York (GodmodeTrader.de) – An den Finanzmärkten wächst die Furcht vor einer neuerlichen Staatspleite Argentiniens, falls der linke Oppositionskandidat Alberto Fernández neuer Staatspräsident werden sollte. In der aktuellen Krisensituation hat Argentinien vier Handlungsoptionen, wie Trevor Holder, Fondsmanager im Anleiheteam von Newton IM, einer Gesellschaft von BNY Mellon Investment Management, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

  1. Nach der teilweisen Erholung des argentinischen Peso (ARS), der zunächst um 26 Prozent gefallen sei, könnte die Währung freigegeben werden. Das allerdings berge das Risiko extremer Marktreaktionen sowie einer inflationären Entwicklung, die den jetzigen argentinischen Präsidenten Macri weiter unter Druck setzen und die Voraussetzungen des IWF-Programms hinsichtlich der Währungs- und Preisstabilität im Land aushöhlen würde, heißt es.
  2. „Alternativ könnte Argentinien die Zinssätze erhöhen – aber der Leitzins Leliq liegt jetzt schon bei rund 74 Prozent. Eine Zinserhöhung ist in einer ausgewachsenen Währungskrise generell ein zu schwaches Mittel, und sie würde Argentinien in den kommenden Monaten nur noch weiter in die Rezession treiben“, so Holder.
  3. Eine weitere Möglichkeit sei ein Eingriff in den Devisenmarkt, der helfen könnte, weitere Abwärtsbewegungen des Peso in den zwei Monaten vor den Wahlen zu begrenzen. Wenn jedoch 250 Millionen US-Dollar pro Tag in Interventionen flössen – die höchste im IWF-Programm zulässige Summe – würden nicht nur die Devisenreserven um rund 14 Milliarden US-Dollar abschmelzen, sondern auch drei Viertel der erst vor elf Monaten bewilligten IWF-Mittel verschwendet werden. Die Regierung könnte damit kaum noch ihren kurz- bis mittelfristigen Schuldenverpflichtungen in Hartwährung nachkommen. Ein Präsident Macri könnte sich vielleicht noch einmal an den IWF wenden, aber bei einem Sieg von Alberto Fernández würde der IWF sich wohl hüten, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen, heißt es weiter.
  4. „Die letzte politische Option ist aus unserer Sicht die Einführung von Kapitalkontrollen, egal in welcher Form. Keine ideale Lösung, aber womöglich besser als die Verschwendung von Devisenreserven“, so Holder.
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Die Devisenreserven beliefen sich auf 65 Milliarden US-Dollar. Aktuell reiche dies aus, um insgesamt 50 Milliarden US-Dollar in den nächsten drei Jahren an Kapital- und Zinsverpflichtungen in Hartwährung zu decken. Gleichzeitig müsse der argentinische Staat dieses Jahr auf Peso lautende Schuldtitel im Gegenwert von 17,5 Milliarden US-Dollar bedienen, nächstes Jahr noch einmal im Wert von 15,4 Milliarden US-Dollar. Ein weiterer Verfall des Peso wie in den letzten Tagen ließe die Gesamtschuldenlast des Staates auf 100 Prozent des BIP steigen. Bei einigen Anleihen in Landeswährung könnte es zur Anpassung der Coupon-Zahlungen kommen – das habe Alberto Fernández bereits angedeutet, heißt es weiter.

„Anleger gehen von einem Wahlsieg des Oppositionskandidaten Fernández aus, was sich in den auf US-Dollar lautenden Anleihen widerspiegelt. Sie sollten jedoch die aktuelle Lage weiter beobachten, denn die neue Regierung könnte hinsichtlich ihrer Wirtschaftspolitik und Haltung gegenüber dem IWF deutlich konservativer sein als aktuell erwartet wird“, so Holder.