Die Europäische Zentralbank (EZB) hielt am Mittwoch eine außerordentliche Sitzung ab, nachdem die europäischen Märkte für festverzinsliche Wertpapiere drei Mal in Folge sehr volatil waren. Der Spread zwischen der 10-jährigen italienischen und der deutschen Bundesanleihe stieg von 200 Basispunkten (Bp) auf 242 Bp. Ähnliche Bewegungen gab es über die gesamte Breite des Marktes (2-jähriger BTP-Spread, griechischer Spread usw.). Wir haben bei solchen Spread-Niveaus keine Reaktion der EZB erwartet, da sie insgesamt keinen signifikanten Druck darstellen, wie Frau Schnabel betonte.

Die Frage, die sich jeder stellt: Welche Optionen hat die EZB?

Die EZB muss eine Lösung finden, um ihre drei Hauptziele zu erreichen:

1. Den Verfall des Euro aufhalten

2. Die Spreads innerhalb der EU auf einem angemessenen Niveau aufrechterhalten

3. Die Inflation bekämpfen

Darüber spekulieren die Marktteilnehmer nun schon seit Monaten, und wir haben noch keine überzeugende Lösung gesehen. Das hat die EZB auf ihrer Sitzung signalisiert:

  • Die EZB wird bei der Reinvestition von PEPP-Rückzahlungen (Pandemic Emergency Purchase Program) flexibel vorgehen. Das war bereits vorher der Fall, also nichts Neues. Allerdings könnte die EZB die "Flexibilität" in Zukunft noch stärker nutzen. In der Vergangenheit hat sie gezögert, erheblich vom Kapitalschlüssel abzuweichen (außer während der Covid-Krise für einen kurzen Zeitraum), aber sie könnte sich dazu entschließen. Langfristig könnte sich dies als schwierig erweisen (die EZB muss den Kapitalschlüssel bis zum Ende eines jeden Kalenderjahres einhalten), kurzfristig könnte dies jedoch zur Stabilisierung der Märkte beitragen.
  • Die EZB hat ihre Mitarbeiter damit beauftragt, neue Anti-Krisen-Instrumente zur Abstimmung vorzubereiten. Uns liegen zwar noch keine Einzelheiten vor, aber genau darauf hatten die Märkte letzte Woche gehofft. Es ist verfrüht, sich eine Meinung über den Plan zu bilden, und es ist noch nicht absehbar, wie viel Unterstützung der Plan bei den EZB-Mitgliedern finden wird.

Die Tatsache, dass die EZB eingreift, dürfte die Märkte kurzfristig beruhigen, vor allem angesichts des geringeren Exposures für die Peripherieländer. Doch muss die EZB nun ihre neuen Instrumente zur Krisenbekämpfung einsetzen. Sollte es sich um ein neues Programm zur quantitativen Lockerung (QE) für die Peripherieländer handeln, dann sind wir eher zurückhaltend. Wir glauben nicht, dass dies ohne Bedingungen möglich wäre. Es könnte sich um einen neuen Plan handeln, der dem Outright Monetary Transactions (OMT)-Programm ähnelt, aber flexibler und mit weniger Auflagen verbunden ist. Im Moment scheint dies das plausibelste Ergebnis zu sein. Wird es ausreichen, um eine Ausweitung der Spreads in der Peripherie zu verhindern? Wir sind uns da nicht sicher, zumindest nicht, solange die Inflation nicht zurückgeht.