• Der OECD Composite Leading Indicator hat sich im Mai um 0,8 % gegenüber dem Vormonat verbessert. Dies ist der kräftigste Anstieg des Indikators seit März 1983.
• Neben den Frühindikatoren für die einzelnen OECD-Länder haben sich auch die Frühindikatoren für die Nicht-OECD-Länder deutlich gegenüber dem Vormonat verbessern können. Der von uns berechnete Frühindikator für die Weltwirtschaft stieg um 1,2 % mom. Das war der stärkste Anstieg seit September 1975.
• Die Entwicklung der globalen Industrieproduktion in den vergangenen Monaten zeigt, dass nicht nur die Frühindikatoren ansteigen, sondern die Erholung der Weltwirtschaft jetzt auch in den harten realen Daten wiederzufinden ist. Diese Erholung ist aber bislang schwächer als es die Frühindikatoren andeuten.

1. Vor einem Monat wurde für den globalen Frühindikator der OECD, den OECD Composite Leading Indicator (OECD CLI), ein vergleichsweise kräftiger monatlicher Zuwachs für April bekannt gegeben. Dieser nährte die Hoffnung, dass sich nicht nur die Entwicklungen einzelner Volkswirtschaften stabilisieren, sondern dass diese Stabilisierung auf globaler Ebene und auf einer breiten Basis erfolgt. Das heute von der OECD veröffentlichte Länderset an Frühindikatoren deutet an, dass sich die Weltwirtschaft womöglich schon im Aufschwung befindet und die Stabilisierungsphase bereits verlassen hat. Der zusammengefasste Frühindikator für die OECD-Länder stieg im Mai um 0,8 % gegenüber dem Vormonat. Zwar wurde der Aprilwert geringfügig nach unten revidiert (von +0,5 % mom auf +0,4 %), doch ist der Anstieg im Mai stärker als von uns erwartet (DekaBank: 0,5 % mom). Einen höheren monatlichen Zuwachs gab es zuletzt im März 1983 nach der schweren globalen Rezession. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der Frühindikator mit -8,2 % zwar weiterhin deutlich im negativen Bereich. Allerdings ist dies angesichts der Schwere der globalen Rezession auch nicht verwunderlich. Relevant ist hier in erster Linie, dass sich die Jahresveränderungsrate zum dritten Mal in Folge verbessern konnte und das Ausmaß der Verbesserung überraschend hoch ist.

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2. Der OECD CLI ergibt sich aus den (nach Kaufkraftparitäten) gewichteten Länderindizes der einzelnen OECD- Länder. Da die OECD auch für gewichtige Nicht-OECD-Länder entsprechende Frühindikatoren ermittelt, lässt sich mit deren Hilfe sowohl ein globaler Welt-Index berechnen als auch eine Unterscheidung nach Industrieländern und Emerging Markets vornehmen. Der von uns berechnete Frühindikator für die Weltwirtschaft stieg zum dritten Mal in Folge – im Mai um 1,2 % mom. Dies ist der stärkste monatliche Anstieg seit September 1975. Auch damals ging eine schwere globale Rezession zu Ende. Der historische Vergleich wird durch die dünnere Datenlage erschwert (der Welt-Indikator bildet heute über 80 % der Weltwirtschaft ab. Mitte der Siebzigerjahre waren dies nur rund 60 %.). Er zeigt aber, dass im Gleichklang mit dem Frühindikator für die OECD-Länder auch der Frühindikator für die Weltwirtschaft eine außerordentliche wirtschaftliche Erholung anzeigt. Die Jahresveränderungsrate des Frühindikators für die Weltwirtschaft ist mit -4,2 % ebenfalls noch im negativen Bereich. Aber auch hier gilt, dass die Verbesserung stark ausgeprägt ist. Der Frühindikator für die Emerging Markets stieg bereits im April extrem an und wurde zudem von 1,2 % mom auf 1,5 % mom nach oben revidiert. Dieser bislang historisch einmalige monatliche Zuwachs wurde im Mai mit 1,8 % mom nochmals übertroffen (die Datenlage lässt nur einen Vergleich bis Mitte der Neunzigerjahre zu). Erstmals seit November 2008 ist hier die Jahresveränderungsrate mit 1,0 % wieder im positiven Bereich. Die monatliche Veränderungsrate des Frühindikators für die Industrieländer kann bei dieser Dynamik nicht mithalten: Im Mai stieg er um 0,7 % mom (stärkster Anstieg seit September 2003) und wies mit -9,0 % noch eine stark negative Jahresveränderungsrate auf.

3. Das Quadranten-Schema (siehe Anhang) zeigt, dass sich nahezu alle Länder in einer Aufwärtsbewegung befinden. Auffallend sind die Schwergewichte Asiens: China und Indien weisen mit 2,3 % und 2,1 % mom sehr hohe monatliche Zuwachsraten auf. Von beiden Ländern ist man hohe Zuwachsraten gewohnt, dennoch sind die Frühindikatoren dieser Länder noch nie stärker angestiegen als im Mai. Der asiatische Bremsklotz scheint dagegen Japan zu sein: Mit Ausnahme von Schweden (-0,8 % mom) ist in sonst keinem anderen Land die Abwärtsdynamik des Frühindikators noch intakt. Dies ist insoweit überraschend, weil die Zuwächse der Industrieproduktion in Japan zuletzt extrem hoch gewesen sind. Frühindikatoren kann mal also nicht blind vertrauen und Fehlsignale sind nichts Außergewöhnliches.

4. In den vergangenen Wochen wurde vielfach darüber spekuliert, dass sich zwar die Frühindikatoren verbessern, die wirtschaftlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern aber nicht nachkommen. Das Schaubild zeigt, dass dieser Eindruck nur zum Teil richtig ist. Gemessen an der Entwicklung der Weltindustrieproduktion hat diese im Februar dieses Jahres ihren Tiefpunkt erreicht.

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Nach einer Beinahe-Stagnation im März folgten dann monatliche Zuwächse von 0,7 % und 0,6 % in den Monaten April und Mai. Diese Zuwächse sind gemessen an der Entwicklung der Frühindikatoren eher schwach, stehen aber im Einklang mit unserer Einschätzung einer zähen globalen wirtschaftlichen Erholung. Die Entwicklung der Weltwirtschaft ist also besser als vielfach behauptet wird, sie ist aber bislang nicht historisch einmalig stark. Den Frühindikatoren kann man derzeit nur insoweit trauen, als sie die Richtung vorgeben. Das Ausmaß der Erholung scheinen sie aber derzeit zu überzeichnen.

Rudolf Besch - Analyst bei der Dekabank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.

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