Mit einem verwalteten Vermögen von 160 Milliarden Dollar ist Bridgewater Associates nicht nur die größte Hedgefondsgesellschaft der Welt, sondern war im schwierigen Jahr 2018 auch noch außerordentlich erfolgreich. Mit seinem Flagschiff-Fonds Pure Alpha kam Bridgewater Associates im Jahr 2018 auf eine Performance von 14,6 Prozent und konnte damit die allermeisten Hedgefonds hinter sich lassen.

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Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos kommt nun eine eindringliche Warnung von Bridgewater Associates. "Während die Leute ihre Wachstumserwartungen sicherlich verringert haben und in Davos viel davon zu hören ist, glauben wir nicht, dass sie es genug getan haben", sagte Greg Jensen, Co-Investmentchef bei Bridgewater Associates, in einem Bloomberg-Interview. "Insbesondere in den USA sind die Gewinnerwartungen zu hoch, und im Allgemeinen erwarten die US-Notenbank und andere politische Entscheidungsträger weiterhin ein stärkeres Wachstum als wir es sehen", betonte Jensen.

Den Erfolg im Jahr 2018 führte Jensen darauf zurück, dass Bridgewater Associates in der Pure-Alpha-Strategie keine vorgegebene Ausrichtung habe, sondern sich ganz auf langjährige Erfahrungswerte verlasse. "Wir können long oder short sein, wir haben keine Korrelation zum Aktien- oder zum Anleihenmarkt und es ist nur eine Funktion davon, wie gut wir vorhersagen, was passieren wird", sagte Jensen. Im Jahr 2018 habe man erwartet, dass der fiskalische Schub die US-Notenbank Fed zu einer etwas schnelleren Straffung der Geldpolitik treiben könne und das ein Problem für die Märkte darstellen könnte.

Im Jahr 2019 dürfte die US-Notenbank den Rückwärtsgang einlegen und im dritten oder vierten Quartal wieder darüber zu diskutieren beginnen, wie die Geldpolitik gelockert werden könnte. Zunächst werde es darum gehen, den Abbau der Bilanzsumme zu stoppen, anschließend werde man sich auch wieder in Richtung von Zinssenkungen bewegen, sagte Jensen. Davon könnten aber wohl insbesondere die Schwellenländer profitieren, da dort die Korrektur bereits weiter vorangeschritten sei.

Doch Zinssenkungen könnten erst der Anfang einer noch viel weitergehenden Lockerung der Geldpolitik sein, erwartet Jensen. Nach der konventionellen Lockerung in Form von Zinssenkungen und Quantitative-Easing-Programmen stelle man sich nun bei Bridgewater bereits die Frage, wie die "Geldpolitik 3.0" in der kommenden Krise aussehen werde.

Denn sowohl der zyklische als auch der säkulare Schuldenzyklus würden nun für eine wirtschaftliche Abschwächung sorgen. Da beide Zyklen zusammenfielen, rechne man in den entwickelten Volkswirtschaften mit einer "lange anhaltenden Schwäche", so Jensen. Wie die Märkte in den vergangenen 40 Jahren funktioniert hätten, sei deshalb kein guter Wegweiser für das, was nun komme. Entscheidend sei aber, wie Entscheidungsträger, insbesondere die Notenbanken, auf die säkulare Abschwächung reagierten.

Allerdings sollte man die Worte von Bridgewater-Vertretern nicht unbedingt auf die Goldwaage legen. Denn vor ziemlich genau einem Jahr, auf dem Weltwirtschaftsforum 2018, fiel ausgerechnet Bridgewater-Gründer Ray Dalio durch eine Aussage auf, die sich ganz und gar nicht bewahrheiten sollte. "Wenn man Cash hält, wird man sich ziemlich dumm fühlen", prophezeite Dalio im Januar 2018. Tatsächlich allerdings war Cash (fast) die einzige Anlageklasse mit einer positiven Performance im Jahr 2018.


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