New York (Godmode-Trader.de) - Fast ein Jahr ist es nun her, dass die Corona-Pandemie um sich griff und die Weltwirtschaft, insbesondere aber den globalen Handel in sich zusammenstürzen ließ. Auch jetzt noch sendet die Weltwirtschaft widersprüchliche Signale über Tempo und Tendenz der Handelsströme aus, wie das aktuelle Warenhandelsbarometer der Welthandelsorganisation (WTO) unterstreicht:

  • Die Indikatoren für Exportaufträge und Automobilprodukte, die laut WTO zu den zuverlässigsten gehören, erreichten kürzlich ihren Höchststand und zeigen jetzt Anzeichen einer Verlangsamung.
  • Sowohl die Barometer für die See- als auch die Luftfracht steigen, was auf ein überdurchschnittliches Wachstum hindeutet, auch wenn die jüngsten Frequenzdaten darauf hinweisen, dass die Containerschifffahrt zu Beginn des Jahres 2021 zurückgegangen ist.
  • Die Indikatoren für elektronische Komponenten und Rohstoffe steigen, möglicherweise aufgrund von Lagerbeständen, auch Agrarrohstoffe bleiben im Aufschwung.

Während der Dienstleistungsbereich größtenteils stillgelegt oder mit geringerer Kapazität läuft, erholte sich der Warenhandel in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 deutlich. Aber möglicherweise ist der Boom auch schon wieder vorbei. Zusammenfassend heißt es bei der WTO: „Dies Trendindikatoren deuten darauf hin, dass die Aufwärtsdynamik des Handels ihren Höhepunkt bald erreichen könnte.“

Andere Frühindikatoren und Prognosen aus einigen der weltweit wichtigsten Volkswirtschaften signalisieren hingegen weiterhin eine ungetrübte Aufhellung. So zeigen sich die Exporteure in Deutschland merklich optimistischer. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind dank der Erholung in China und den USA auf den höchsten Stand seit September 2018 geklettert. Zudem sorgte die Nachfrage nach Chips, die in Autos oder Smartphones verwendet werden, im Februar für den größten Sprung bei Südkoreas Exporten seit Ende 2018. Südkoreas Ausfuhr stieg in den ersten 20 Tagen des laufenden Monats im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 16,7 Prozent. Am Wochenende verlautete Taiwans Regierung, sie erwarte für 2021 das stärkste Wirtschaftswachstum seit sieben Jahren, dank des weltweiten Appetits nach Halbleitern. Für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China erwartet der IWF in diesem Jahr ein Wachstum von rund acht Prozent.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass die weitere Entwicklung nach wie vor stark vom Verlauf der Corona-Pandemie abhängt. Sollten die gefährlicheren Virus-Varianten sich weiter ausbreiten, werden viele Regierungen die Zügel weiter straff halten, was die Öffnungsperspektiven eintrübt. Schon jetzt produziert die Industrie vor, im Hinblick auf eine Erholung im Frühjahr, spätestens im Sommer. Sollten Impfkampagnen sich verzögern oder gar wegen der Mutanten scheitern, die Lockdowns also fortgeführt werden, müssten sämtliche aktuelle Prognosen über den Haufen geworfen werden.