Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Notenbanken in der Regel nicht in staatlichem, sondern in privatem Besitz. Insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden allerdings viele Notenbanken vollständig verstaatlicht, etwa die Bank of England im Jahr 1946.

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    Heute ist es die Regel, dass sich die Notenbanken ganz in staatlichem Besitz befinden. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, sogar in Europa: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) etwa ist privatrechtlich als Aktiengesellschaft organisiert. Rund 55 Prozent der Aktien befinden sich im Besitz der öffentlichen Hand, wobei insbesondere die Schweizer Kantone sowie die Kantonalbanken Aktien der SNB halten. Die übrigen Aktien befinden sich größtenteils im Besitz von Privatpersonen. Die Aktien der SNB werden öffentlich an der Schweizer Börse gehandelt (ISIN: CH0001319265).

    Bekannt vor allem bei Anhängern von Verschwörungstheorien ist die US-Notenbank. Auch wenn das Federal Reserve System auf seiner Webseite betont, dass die Fed "niemandem" gehört, so ist es doch wahr, dass die Fed sowohl staatliche als auch privatwirtschaftliche Züge aufweist, wie auch die regionale Notenbank von St. Louis einräumt: Während die Fed durch ein vom Kongress beschlossenes Gesetz gegründet wurde und der Verwaltungsrat (Board of Governors) als "unabhängige Institution innerhalb der Regierung" bezeichnet wird, befinden sich die 12 einzelnen regionalen Notenbanken in privatem Besitz der Geschäftsbanken.

    Dabei haben die privaten Banken sogar einen gewissen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank: Der Fed-Vorsitzende (aktuell Janet Yellen) wird zwar vom US-Präsidenten nominiert und vom Kongress bestätigt. Allerdings werden die Notenbankgouverneure der regionalen Notenbanken, die ebenfalls im für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschuss sitzen, von den Mitgliedsbanken bestimmt. Alle auf US-Bundesebene zugelassenen und regulierten Banken sind automatisch auch Teil des Fed-Systems und müssen Aktien der jeweiligen regionalen Notenbank besitzen. Auf Ebene der Bundesstaaten zugelassene Banken können freiwillig zu Mitgliedsbanken der Fed werden.

    Nur auf den ersten Blick vollständig in staatlichem Besitz ist die Europäische Zentralbank (EZB), die den nationalen Notenbanken der EU nach einem festgelegten Kapitalschlüssel (der dem Anteil des jeweiligen Landes an der Gesamtbevölkerung und dem Bruttoinlandsprodukt der EU entspricht) gehört. Die allermeisten dieser nationalen Notenbanken (z.B. die Bundesbank) gehören zwar vollständig dem jeweiligen Staat, aber es gibt drei Ausnahmen: Die italienische Zentralbank gehört nicht dem Staat, sondern den Geschäftsbanken und Versicherungsgesellschaften des Landes. Die Notenbank in Griechenland (Bank of Greece, nicht zu verwechseln mit der National Bank of Greece, die trotz des Namens eine "normale" Geschäftsbank ist) gehört zu 100 Prozent privaten Aktionären, während die Belgische Nationalbank zur Hälfte dem Staat und zur Hälfte privaten Aktionären gehört.

    Es gibt also zwei an der EZB beteiligte nationale Notenbanken (Griechenland, Italien) die sich vollständig in privatem Besitz befinden und eine (Belgien) die sich je zur Hälfte in privatem und staatlichem Besitz befindet. Die Aktien der Belgischen Nationalbank (ISIN: BE0003008019) und der Bank of Greece (ISIN: GRS004013009) sind sogar börsennotiert.

    Allerdings: Auch wenn Notenbanken private Aktionäre haben, so unterscheiden sich die Notenbanken doch von "normalen" Aktiengesellschaften. Die Aufgaben der Notenbanken werden in der Regel per Gesetz festgelegt und richten sich nach dem Gemeinwohl, nicht nach den Gewinninteressen der privaten Aktionäre - selbst wenn diese die einzigen Anteilseigner sind. Anders als bei "normalen" Unternehmen wird auch die Zusammensetzung der Leitungsorgane meist politisch bestimmt und nicht von den Anteilseignern. Auch fließt in der Regel ein erheblicher Teil des Gewinns der Notenbanken in den Staatshaushalt und nicht an die Aktionäre, sofern überhaupt Gewinne ausgeschüttet werden. Die Regeln sind meist in einem eigenen Gesetz festgehalten, das nur die Notenbank betrifft.

    Die folgende Tabelle zeigt alle Notenbanken weltweit, die sich (teilweise oder vollständig) in Privatbesitz befinden (Quelle: Private Shareholding and Public Interest: An Analysis of an Eclectic Group of Central Banks):

    Land Notenbank Wem gehört die Notenbank? börsennotiert?
    USA Federal Reserve regionale Notenbanken: 100 % private Banken / Board of Governors: staatlich nein
    Eurozone Europäische Zentralbank (EZB) 100 % nationale Notenbanken, davon 25 rein staatlich, zwei rein privat und eine gemischt nein
    Italien Banca d'Italia 100 % Banken und Versicherungen nein
    Griechenland Bank of Greece 100 % private Aktionäre ja: GRS004013009 
    Belgien Banque Nationale de Belgique 50 % Staat, 50 % private Aktionäre ja: BE0003008019 
    Schweiz Schweizer Nationalbank rund 55 % Kantone und Kantonalbanken, rund 45 % Privatbesitz ja: CH0001319265 
    Japan Bank of Japan 55 % Staat, 45 % Privatbesitz ja
    Südafrika South African Reserve Bank zu 100 % im Privatbesitz nein, aber OTC-Handel
    Türkei Central Bank of the Republic of Turkey Staat (mind. 51 %), Rest: türkische Banken, Unternehmen und Privatpersonen nein

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