Ob Dax bei 13.800 und oder S&P 500 bei 3.400 Punkten, es wurde immer noch in die gleiche Kerbe geschlagen: Aktien sind alternativlos. Das ist keine zwei Monate her. Heute spricht davon niemand mehr, dabei kauft man nicht am Hoch, sondern wenn die Kurse tiefer stehen. Das ist aktuell der Fall und das Argument der Alternativlosigkeit ist heute relevanter als vor zwei Monaten.

Für 10-jährige US-Anleihen gibt es 1 % pro Jahr. Zum Höhepunkt der Panik waren es sogar nur 0,5 %. Ein absoluter Rekordwert. Gleichzeitig sind Aktien tief gefallen. Das hat die Dividendenrendite nach oben schnellen lassen (Grafik 1). Für kurze Zeit zum Jahreswechsel 2008/09 war die Dividendenrendite höher als heute. Sie erreichte in der Spitze 3,6 %.

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Der Anstieg war tiefen Kursen geschuldet und normalisierte sich schnell wieder. Auch der jetzige Anstieg wird sich wieder schnell normalisieren. Wer die Rendite über 2 % jetzt nicht mitnimmt, wird vermutlich so bald nicht mehr die Gelegenheit bekommen. Es ist eine der höchsten Renditen der letzten 25 Jahre.

Im Verhältnis zu Anleihen ist die Rendite sogar so attraktiv wie zuletzt vor über 60 Jahren (Grafik 2). Wer noch vor zwei Monaten das Argument der Alternativlosigkeit (wegen niedriger Zinsen) beschworen hat, sollte es heute erst recht tun.

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Persönlich hielt ich das Argument bei der hohen Bewertung zu Jahresbeginn für fahrlässig. Kein Zins dieser Welt rechtfertigt astronomische Unternehmensbewertungen. Es wird einem zwar vorgerechnet, dass das KGV einer Anleihe bei 1 % Rendite bei 100 liegt und das von Aktien bei „nur“ 25, aber diese Logik ist fehlerhaft.

Wie wir gerade erleben konnten gibt es bei Unternehmen mehr als nur einen Bewertungsmaßstab. Aktien haben viele Risiken, die Anleihen nicht haben. Sie sind allen voran nicht sicher. Bei US-Anleihen und deutschen Staatsschulden kann man davon ausgehen, dass sie zurückgezahlt werden. Bei Dividenden gibt es keine Garantie und noch weniger auf die Kurse.

Konjunkturrisiken bleiben unabhängig vom Zinsniveau immer bestehen. Daher ist ein direkter Vergleich des Anleihen- und Aktien-KGV schlichtweg falsch. Nun sind Aktien aber wieder günstiger. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist akzeptabel. Vor zwei Monaten war es das nicht. Eigentlich müssten jetzt alle hervortreten und für Aktien argumentieren. Das wird interessanterweise nicht getan.

Es ist eben einfacher für Aktien zu sprechen, wenn sich die Kurse gerade 20 % nach oben geschraubt haben. Das ist prozyklisches Anlegen, also hoch kaufen, tief verkaufen. Man sollte genau das Gegenteil davon tun. Jetzt wäre die Gelegenheit dazu.