In Europa schleppt sich die Wirtschaft in diesem Winter wieder seitwärts. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind dafür Garant. Anders sieht es in den USA aus. Dort hat sich das Wachstum nach einem schwachen dritten Quartal wieder erholt. Im Durchschnitt gehen Analysten von einer annualisierten Wachstumsrate von 6 % für das abgelaufene Quartal aus. Das Modell der Notenbank von Atlanta zeigt sogar 7,5 % an.

Das vierte Quartal war in den USA ein sehr gutes Wachstumsquartal. Nun liegt es aber in der Vergangenheit und die Börse interessiert für gewöhnlich, was in der Zukunft geschieht. Die Zukunft ist weniger rosig. Das mag aus heutiger Sicht schwer vorstellbar sein, doch eine nachhaltige Wachstumsverlangsamung ist nicht aufzuhalten.

Grund dafür ist die Inflation. Bisher konnte man sich zu Recht fragen, wieso alle eine so große Aufregung um das Thema verbreiten. Es erscheint alles in Ordnung zu sein. Gewiss, steigende Preise sind nicht schön, doch so lange die Beschäftigung hoch ist und der Reallohn mithält, wieso sollte man sich beklagen?

Inflation wirkt zeitlich verzögert auf das Wachstum. Inflation besteht am Ende wiederum vor allem aus einem: Rohstoffpreisen. Ob Öl, andere Industrierohstoffe oder Agrarrohstoffe, sie bestimmen die Inflationsrate. Verfolgt man die Lieferketten aller Produkte bis an den Ursprung zurück, dann stehen dort Rohstoffe. Steigen die Preise des Inputs, steigt auch der Preis vom Output.

Das gilt selbst für viele Dienstleistungen. Der Transport von Gütern ist etwa eine Dienstleistung. Ohne Öl lassen sich keine Güter transportieren. So wirken Rohstoffpreise auch auf Dienstleistungspreise. Je schneller die Preise steigen, desto eher drückt dies das Wachstum. Die Nachfrage sinkt ab einem gewissen Preisanstieg.

Der Preisanstieg von Rohstoffen läuft dem Wachstum voraus. Das Wachstum wiederum wird von denen, die es wissen müssen, gut abgebildet: Einkaufsmanager. Sie wissen zuerst, wie sich die Nachfrage entwickelt. Der Einkaufsmanagerindex sinkt in den USA seit Monaten, wenn auch nur langsam. Der Trend nach unten wird sich ab jetzt beschleunigen.

Der Einkaufsmanagerindex wird ziemlich gut von der Veränderung der Rohstoffpreise abgebildet (Grafik 1). Bis Sommer 2023 ist nun mit einer Verlangsamung des Wachstums zu rechnen.

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Die Verlangsamung dürfte das Wachstum Richtung 2 % oder weniger führen (Grafik 2). Sogar negatives Wachstum ist denkbar. Der Inflationstrend deutet mittelfristig auf Stagnation hin. Die Prognose der Notenbank ist für die kommenden Jahre viel optimistischer. 2022 soll die Wirtschaft um 4 % und 2023 um 2,2 % wachsen. Angesichts der Rohstoffpreise ist beides deutlich zu hoch angesetzt.

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Die Notenbank strafft nun die Geldpolitik. In wenigen Quartalen wird sie dann überrascht sein, wie stark die Wirtschaft abgekühlt ist und feststellen, dass sie zu viel gestrafft hat.


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