Bei den Warenexporten hat Deutschland den Titel als "Exportweltmeister" bereits vor mehr als zehn Jahren an China verloren. Doch beim Kapitalexport ist Deutschland nicht nur weiterhin "Weltmeister", sondern exportiert offenbar auch mehr Kapital ins Ausland als jemals ein Land in der Geschichte zuvor.

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Allein in den letzten 10 Jahren ist der astronomische Betrag von 2,7 Billionen Euro an deutschem Kapital ins Ausland geflossen. Pro Jahr entspricht dies einem Kapitalabfluss von rund sieben Prozent des deutschen BIPs ins Ausland. Zu diesen Ergebnis kommen die drei Wirtschaftswissenschaftler Franziska Hünnekes, Moritz Schularick und Christoph Trebesch in einer Studie, in der sie sich ausführlich mit den deutschen Kapitalexporten in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigt haben.

Das wichtigste Ergebnis der Studie: Deutsches Kapital wird im Ausland extrem schlecht angelegt. Bekannte Beispiele dafür gibt es viele. So steckten deutsche Banken noch Milliardenbeträge in faule US-Hypothekenpapiere, als an der Wall Street vielen bereits klar war, dass die Blase kurz vor dem Platzen stand. Als der Deutsche-Bank-Manager Greg Lippmann am Vorabend der Finanzkrise gefragt wurde, wer denn diese toxischen, hochriskanten Hypothekenpapiere noch kaufe, antwortete er immer nur mit einem Wort: "Düsseldorf". So schreibt es Michael Lewis in seinem Finanzkrise-Sachbuch "The Big Short" und die drei Wissenschaftler verweisen darauf. In Düsseldorf saß die IKB, die kurze Zeit nach dem Ausbruch der Finanzkrise vom deutschen Staat gerettet werden musste.

Die Wissenschaftler haben nun erstmals systematisch untersucht, welchen Anlageerfolg deutsche Unternehmen, Privatpersonen und der Staat mit ihren ausländischen Vermögenswerten erzielen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Rendite des deutschen Auslandsvermögens lag deutlich niedriger als von vergleichbaren Ländern. Während die US-Auslandsinvestitionen im Zeitraum 1975 bis 2017 eine durchschnittliche nominale Rendite von 10,6 Prozent pro Jahr erreichten, brachten es die deutschen Auslandsinvestitionen im gleichen Zeitraum nur auf 4,9 Prozent. Damit ist Deutschland sogar das Schlusslicht unter den G7-Ländern.

Rechnet man aus, was Deutschland dadurch entgangen ist, dass das Kapital im Ausland so schlecht angelegt wurde, ergeben sich schwindelerregende Summen. Wäre das deutsche Auslandsvermögen so lukrativ angelegt worden wie das US-Auslandskapital, wären die Gewinne für Deutschland um 4,423 Billionen Euro, also 4423 Milliarden Euro höher ausgefallen.

Woran liegt es, dass die deutschen Auslandsinvestitionen so wenig Ertrag bringen? Eine naheliegende Erklärungsmöglichkeit wäre, dass die Deutschen besonders risikoscheu anlegen. Doch dies erklärt die niedrigeren Renditen nur teilweise. Denn tatsächlich schnitten die deutschen Auslandsinvestitionen über alle Anlageklassen hinweg schlechter ab und auch dann, wenn die Rendite in Beziehung zu den Risikoeigenschaften der Anlagen gesetzt wurden. Auch Wechselkurseffekte erklären die Verluste nicht. Stattdessen scheinen Wertverluste ein großer Teil der Erklärung: Die Deutschen investieren besonders häufig in Wertpapiere oder Projekte, mit denen sich einfach kein Gewinn erzielen lässt.

Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Untersuchung: Die deutschen Auslandsinvestitionen haben deutlich niedrigere Renditen erzielt als inländische Investitionen. Im letzten Jahrzehnt hätte nach Berechnungen der Wissenschaftler mit deutsche Anleihen, Aktien und Immobilien eine um vier Prozentpunkte höhere Rendite im Vergleich zu den deutschen Auslandsinvestitionen erzielt werden können. Die Wissenschaftler halten dies auch für einen wichtigen Punkt für die politische Debatte. Deutsche Banken, Unternehmen sowie der Staat wären also gut damit beraten, mehr im Inland zu investieren, als Kapital im großen Maßstab ins Ausland zu exportieren.

Ein Teil der Erklärung, warum die Renditen der deutschen Auslandsinvestitionen so niedrig ausfallen, liegt auch im geographischen Zielgebiet dieser Investitionen: Ein Großteil des deutschen Kapitalexports fließt in andere europäische Länder sowie in Länder, die demographisch vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie Deutschland. In aufstrebenden Volkswirtschaften wie China oder Indien, die sich in den vergangenen Jahrzehnten durch besonders starke Wachstumsraten auszeichneten, wird hingegen weiter nur verhalten investiert.

Fazit: Die deutschen Auslandsinvestitionen liefern eine deutlich schlechtere Rendite als Auslandsinvestitionen vergleichbarer Länder. Das liegt nicht nur an einer geringeren Risikoneigung der Deutschen, denn tatsächlich schneiden die Deutschen auch innerhalb einzelner Anlageklassen schlechter ab als vergleichbare Länder. Die Auslandsinvestitionen liefern zudem eine schlechtere Rendite als inländische Investitionen. Banken, Unternehmen und der Staat wären also oft besser beraten, einfach im Inland zu investieren. Zudem ist das geographische Profil der deutschen Auslandsinvestitionen problematisch: Ein Großteil der deutschen Auslandsinvestitionen fließt in andere europäische Industrieländer, die unter Risikogesichtspunkten vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland stehen. In aufstrebenden Volkswirtschaften wird hingegen weiterhin eher zögerlich investiert.

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