China ist ein Phänomen. Das Land hat sich in Windeseile zur zweitwichtigsten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Das enorme Wachstum braucht natürlich auch Futter. Eines davon ist Stahl. Wohnraum und Infrastruktur mussten erst einmal aufgebaut werden. Wie stellt sich die Situation aktuell dar?

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Der Boom fand dabei vor allem zwischen den Jahren 2000 und 2008 statt. Die Wachstumsrate stieg von 6 % auf 15 %. Nach der Finanzkrise ging es noch einmal kurz auf 12 % hinauf. Seither kühlt sich das Wachstum ab.

Obwohl sich das Wachstum verlangsamt, produziert China immer noch Stahl in einem Tempo, welches nicht mehr zur wirtschaftlichen Entwicklung passt. Zwischen 2000 und 2008 verfünffachte sich die Produktion von 120 Mio. Tonnen pro Jahr auf 600 Mio. Tonnen. Danach ging das Wachstum zurück, doch die Produktionsmenge stieg weiter und liegt derzeit bei 830 Mio. Tonnen (Grafik 1).

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Fast das gesamte Wachstum der globalen Produktionskapazität seit 2000 ist auf China zurückzuführen. Das hat Sinn gemacht, um das Wirtschaftswachstum überhaupt zu ermöglichen. Als die Finanzkrise den Trend unterbrach, legte Peking ein gigantisches Konjunkturprogramm auf, welches unter anderem zu einer Ausweitung der Kapazitäten genutzt wurde.

Seither stagniert die Produktionskapazität, doch sie ist für Chinas Bedarf viel zu hoch. Von 830 Mio. produzierten Tonnen Stahl braucht das Land gerade einmal 766 Mio. Der Überschuss muss irgendwohin. Einige Länder haben Defizite bei der Produktion. China kann diese Lücke füllen. So wird im Mittleren Osten, Nordamerika und in Afrika weniger produziert als nachgefragt.

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Die Produktionskapazitäten, um den Eigenbedarf zu decken, gibt es zumindest in Nordamerika. Da China allerdings seine Produkte loswerden will, werden sie zu sehr tiefen Preisen angeboten. Es gibt keinen Anreiz für die USA zu höheren Preisen selbst zu produzieren. Das hat in den vergangenen Jahren zu einem konstant hoch bleibenden Produktionsdefizit geführt.

In der EU wird in etwa die Menge an Stahl nachgefragt, die auch produziert wird. Vor der Krise gab es in der EU einen Überschuss. Den haben unter anderem China und die USA abgenommen. Seitdem Nachfrage und Angebot in der EU im Gleichgewicht sind, hat China die Lücke auf dem Weltmarkt gefüllt.

Global werden heute ca. 50 Mio. Tonnen mehr produziert als benötigt werden. Das drückt die Preise und führt dazu, dass Hochpreisproduzenten wie die USA unterwandert werden. Trotzdem werden in Nordamerika über 100 Mio. Tonnen Stahl pro Jahr produziert. Man kann also nicht davon reden, dass der Sektor kurz vor dem Verschwinden steht.

Will man die heimische Produktionskapazität aufrechterhalten, bleiben bei der globalen Überproduktion nur Zölle übrig. Der Stahl, der dann nicht mehr in die USA importiert wird, landet zu großen Teilen auf dem europäischen Markt. Das versetzt dann den hiesigen Sektor in eine Existenzkrise.

Will man das Problem der Überproduktion im Ausland lösen, gibt es nur einen Weg. China muss sein Angebot mit der eigenen Nachfrage in Einklang bringen und unnütze Überkapazitäten abbauen.

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