New York (GodmodeTrader.de) - Es sind nur noch zwölf Monate bis zum offiziellen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, und noch immer ist ein klarer Weg zum geordneten Brexit gänzlich in Nebel gehüllt. Das Übergangsabkommen, bei dem Großbritannien die bestehenden EU-Regeln einhalten muss jedoch keinerlei Mitspracherecht bei der Beschlussfassung der EU hat, unterstreicht lediglich den Mangel an echten Fortschritten, wie Mark Phelps, CIO, Global Concentrated Equity, bei AllianceBernstein (AB), in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Unternehmen und Investoren, die eine langfristige Planungssicherheit schätzten, wüssten immer noch nicht, wie ein Abkommen aussehen könnte und wie es sie betreffen werde. Aktuell erscheine es jedoch unvermeidlich, dass Großbritannien den Europäischen Binnenmarkt und mit ziemlicher Sicherheit auch die Zollunion verlassen werde. Da dies erhebliche Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben haben werde, seien alle diplomatischen Bemühungen darauf konzentriert die Auswirkungen zu minimieren, heißt es weiter.

„Bis jetzt ist das Bild für die Konjunktur und die Unternehmen des Vereinigten Königreichs noch unklar. Viele britische Exporteure hatten nach der Schwäche des Pfunds im Jahr 2016 einen Anstieg der Auftragseingänge verzeichnet, doch dieser Rückenwind ist bereits abgeebbt. Und viele internationale Unternehmen haben trotz der Bedenken über den langfristigen Zugang zum europäischen Binnenmarkt weiterhin in verschiedene Branchen in Großbritannien investiert. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Informationstechnologie, mit Investitionen von Google, Facebook oder Booking.com“, so Phelps.

Beim verarbeitenden Gewerbe sehe es jedoch weniger rosig aus: Automobilhersteller hätten zum Beispiel ihre Investitionsausgaben verlangsamt bis die britische Handelsposition nach dem Brexit geklärt sei. Bei den Finanzdienstleistern gingen die Blicke in Richtung Dublin, Luxemburg und Frankfurt, wenngleich noch nicht im großen Maße. Die meisten Unternehmen wollten ihre Karten noch nicht offenlegen, sie hofften dabei auf das Beste und planten für das Schlimmste, heißt es weiter.

„Wir erwarten weiterhin, dass ein harter Brexit langfristig negativ für das Pfund sein wird - aber dies ist nicht unbedingt schlecht für die britische Wirtschaft. Wir nehmen zudem an, dass das Wachstum in Großbritannien geringer als in anderen europäischen Ländern ausfallen wird. In einer Welt mit steigenden Zöllen und potenziellen Handelskriegen ist ein relativ kleines Land außerhalb der großen Handelsblöcke nicht gerade in der stärksten Verhandlungsposition“, so Phelps.

Die Ungewissheit bezüglich eines künftigen Handelsabkommens bedeute jedoch nicht, dass Anleger sich ganz zurückziehen und britische Unternehmen oder gar europäische Unternehmen mit Engagement in Großbritannien meiden sollten. Wie in den meisten Fällen, wenn Investoren mit großer Unklarheit konfrontiert seien, müssten sie die Unternehmen identifizieren, die in der Lage seien in jedem politischen Umfeld langfristige Chancen zu nutzen. Der Schlüssel liege darin Firmen zu finden, die über nachhaltige Einnahmequellen und eine dominierende, widerstandsfähige Marktposition verfügten. Ebenso wichtig sei eine vorausschauende Unternehmensführung, die auf die sich laufend verändernden Umstände vorbereitet sei. Denn die letzten Phasen der Brexit-Verhandlungen würden noch viel Spannung beinhalten, heißt es abschließend.

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