Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Der Goldpreis erlebt im Augenblick eine selten gesehene Schwäche. Woche für Woche werden neue Tiefstände markiert. Im Juni fiel die Marke von 1.300 US-Dollar/Unze, jetzt im August die Schwelle von 1.200 US-Dollar. Wie tief soll es noch gehen, fragt sich wohl jeder Gold-Anleger, der das Edelmetall als Krisenschutz im Depot hält. „Das hängt aktuell vor allem vom Dollar ab“, gibt Eugen Weinberg, Analyst der Commerzbank, eine Antwort. Die steigenden Zinsen und die gute Konjunktur in den USA haben den Dollar hoch und den Goldpreis runter getrieben. Ein starker Dollar macht das in Dollar gehandelte Gold außerhalb des Dollarraums künstlich teurer.

    Gold ist also nur noch in einer Art Funktion als „Hedge“ zur Dollar-Entwicklung erwähnenswert? Der Preis steigt und fällt stets entgegengesetzt zur US-Währung. Vorbei also die Zeiten, als das gelbe Metall ein „sicherer Anlagehafen“ war, das in Krisenzeiten sich von seiner besten Seite zeigte und dank steigender Nachfrage im Preis stieg? Wenige Anlageklassen haben ihren Eigentümern in diesem Jahr bislang so wenig Freude bereitet wie Gold. Gerade zurzeit, da die Krise in der Türkei tobt und andere Schwellenländer mit sich in den Abgrund zu reißen droht, sollte Gold doch profitieren und steigen. Doch wie beschrieben ist das Gegenteil der Fall. Freilich könnte man meinen, dass der Preiseffekt mit Verzögerung eintritt, weil Anleger zunächst aus allen Anlagen rausgehen und erst danach Gold ansteuern. Doch das Argument zieht nicht. Bereits frühere Turbulenzen haben keinen Run auf das Edelmetall ausgelöst.

    Eine Erklärung dafür, dass der Goldpreis angesichts der Türkei-Krise nicht aus dem Quark kommt, liefert Nitesh Shah, Director Research beim ETF-Anbieter WisdomTree: „Die relativ geringe Reaktion von Gold auf die aktuellen Probleme in der Türkei könnte auf einige besondere Merkmale des Landes zurückzuführen sein, so Shah in einer aktuellen Markteinschätzung. „Die türkische Zentralbank gilt als großer Käufer des Edelmetalls. Wenn die türkische Notenbank die Währung Lira verteidigt, könnte sie Gold verkaufen“. In diesem Fall könnten Spekulanten ihre Käufe „auf Verdacht“ zurückstellen, um die Goldverkäufe der türkischen Zentralbank abzuwarten und auf diese Weise noch günstiger einzusteigen. Zudem könnten türkische Geschäftsbanken Gold verwenden, um den Reservenbedarf bei der Zentralbank zu decken.

    Wann der Goldpreis anzieht, wird laut Shah zum Teil davon abhängen, ob die Probleme in der Türkei vorübergehender Natur sind oder eskalieren werden. „Gold reagiert nicht immer schnell auf Stressereignisse“, sagt der Experte. „Türkisch-spezifische Themen könnten den Preis vorübergehend stärker belasten als Währungskrisen in Ländern, in denen die Zentralbank wenig Gold hält“, so Shah. Der aktuell niedrige Preis könnte Anlegern aber einen attraktiven Einstiegspunkt bieten, ist er überzeugt.

    Analysten rechnen allgemein damit, dass der Preisrutsch bei Gold bald auslaufen wird. Die HSH Nordbank sieht bei 1.170 US-Dollar eine markante Unterstützung, die eine Trendwende auslösen könnte. Im Medien sehen die Analysten der Banken den Goldpreis am Jahresende bei 1.275 US-Dollar/Unze. Das wäre deutlich höher als zurzeit.