Die Ankündigung von US-Präsident Trump in der vergangenen Woche, Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu verhängen, hat weltweit für Empörung gesorgt. Nicht nur die EU, sondern auch China, Kanada und zahlreiche andere Länder haben mit Vergeltungmaßnahmen, also eigenen Strafzöllen gedroht. Am Samstag legte Trump in einem Tweet nun nach: Sollte die EU ihrerseits mit weiteren Zöllen reagieren, würden die USA einfach Zölle auf Automobilimporte aus Europa verhängen.

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Trumps Drohung zielt in erster Linie auf die deutschen Autobauer. Andere europäische Autobauer spielen (mit der Ausnahme von Fiat Chrysler) auf dem US-Markt fast keine Rolle. Obwohl der chinesische und der europäische Markt auch für Daimler, BMW und Volkswagen viel wichtiger sind als der US-Markt, erzielen die deutschen Autobauer doch einen signifikanten Teil ihres Gewinns in den USA, wo die Margen oftmals höher sind als in anderen Märkten.

Dass Trump gezielt die europäische Autobranche zum möglichen Ziel erklärt, ist wohl kein Zufall. Denn Deutschland ist nicht nur ein leidenschaftlicher Verfechter des Freihandels, sondern auch einer seiner größten Profiteure. Trump möchte mit seiner Drohung wohl die Bundesregierung dazu bringen, erst einmal die Füße still zu halten und mäßigend auf die EU einzuwirken.

Trump: Importe gefährden die nationale Sicherheit

Für Empörung sorgen nicht nur die Strafzölle selbst, die klar gegen die auch von den USA ratifizierten Regeln der Welthandelsorganisation WTO verstoßen, sondern auch Trumps Begründung. Trump beruft sich bei seinen Strafzöllen auf Stahl und Alluminium nämlich auf ein obskures Gesetz aus dem Jahr 1962, das die Verhängung von Zöllen erlaubt, wenn Importgüter die "nationale Sicherheit" der USA gefährden. Die Antwort auf die Frage, wie Stahl- und Aluminiumimporte zu einer Gefährdung der Sicherheit führen sollen, bleibt Trump natürlich schuldig. Aber Argumente und Begründungen sind bei Trumps Politik ohnehin Nebensache.

Trumps Strafzölle sind in erster Linie Symbolpolitik. Auch in Trumps Regierungsmannschaft gibt es genügend wirtschaftspolitischen Sachverstand, um zu verstehen, dass die Importzölle auf Stahl und Aluminium letztlich auch für die US-Wirtschaft schädlich sind. Denn die Stahl- und Aluminiumhersteller, die durch die Zölle vordergründig vor Konkurrenz aus dem Ausland geschützt werden, machen nur einen sehr geringen Teil der US-Wirtschaft aus. Ein weitaus größerer Teil der US-Wirtschaft ist hingegen auf möglichst billigen Stahl und billiges Aluminium angewiesen. Die Importzölle verteuern nicht nur diese wichtigen Werkstoffe dramatisch, sondern könnte sogar zu einem Versogungsengpass führen. Noch viel gefährlicher wird es für die US-Wirtschaft, wenn andere Länder mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren. Trump schneidet sich mit seinen Zöllen also ins eigene Fleisch - und vermutlich weiß er das auch.

Europa sollte einen kühlen Kopf bewahren

Die direkten Folgen von Trumps Zöllen sind überschaubar. Das gilt allerdings nur, solange es eben nicht zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommt. Um dies zu vermeiden, sollten europäische Politiker zunächst einmal einen kühlen Kopf bewahren und genau abwägen, ob Vergeltungsmaßnahmen wirklich sinnvoll sind. Denn zum einen schaden diese Vergeltungsmaßnahmen eben nicht nur der US-Wirtschaft, sondern tendenziell auch der eigenen Wirtschaft, wenn Preise steigen oder es gar zu Versorgungsengpässen kommt. Zum anderen dürften Vergeltungsmaßnahmen Trump zu weiteren Schritten anstacheln.

Trump ist ein gefährlicher und unberechenbarer Gegner, weil er seine Entscheidungen nicht rational, sondern eher emotional trifft. Das hat allerdings auch zur Folge, dass Trump Entscheidungen trifft, die weder für die USA noch für ihn selbst vorteilhaft sind. Denn unter dem Strich profitieren eben auch die USA vom offenen Welthandel, wenn auch etwas weniger stark als etwa Deutschland, die Schweiz oder China.

Vergeltungsmaßnahmen sind wohl keine sinnvolle Reaktion auf Trumps Drohungen. Im Gegenteil könnten andere Länder wie die EU, Kanada und China eher davon profitieren, untereinander weiter Handelshemmnisse abzubauen. Der freie, offene Welthandel ist nicht nur die Quelle unseres Wohlstands, sondern hat im vergangenen Jahrhundert auch zu einer Wohlstandsexplosion in Schwellenländern wie China oder Indien geführt. Auf lange Sicht macht der freie Handel alle nur reicher. Falls Trump das noch nicht weiß, wird er es wohl irgendwann lernen müssen.

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