WERBUNG

Drei Länder auf der Welt machen gerade schwere Zeiten durch. Hong Kong ist eines davon und über Hong Kong wird auch bei uns am meisten berichtet. Chile und Libanon sind eher Randnotizen. Es geht in diesen Ländern auch nicht um die gleiche Sache. In Chile und im Libanon gehen die Proteste auf Ungleichheit zurück. In Hong Kong geht es um Unabhängigkeit und Demokratie.

Was auch immer der Grund für die Proteste ist, das Resultat ist das gleiche. Betrachtet man die Einkaufsmanagerindizes dieser drei Länder, kommt man nicht umhin einen massiven Einbruch zu erkennen (Grafik 1).


Bemerkenswert sind dabei zwei Entwicklungen. Die erste ist das absolute Niveau. Es erreicht in allen Länder historische Tiefs. Die zweite ist die Geschwindigkeit des Einbruchs. Innerhalb eines Monats verschlechterte sich die Stimmung noch nie so schnell wie jetzt (Grafik 2). Die längere Zeitreihe für Chile zeigt, dass selbst die Finanzkrise dagegen kaum der Rede wert ist.

Dass die Einkaufsmanager schlecht gelaunt sind, ist nicht überraschend. Die wirtschaftliche Aktivität bricht massiv ein. In Hong Kong gingen die Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahr um 25 % zurück. Selbst während der Finanzkrise war es nicht so schlimm.

In Chile dauern die Proteste noch nicht so lange an, doch auch hier sind die Auswirkungen kaum zu übersehen. Die Umsätze sind zuletzt gegenüber dem Vorjahr um 12 % eingebrochen. Für den Libanon gibt es diese Daten nicht. Man kann sich aber denken, dass es dort kaum besser läuft.

Die Wirtschaftsaktivität dieser Länder geht in katastrophalem Tempo zurück. Solche Einbrüche kennt man sonst nur aus sanktionierten Ländern wie dem Iran oder Venezuela, das praktisch keine Wirtschaft mehr hat.

Früher oder später führt der Stillstand zur Massenarbeitslosigkeit und einem Anstieg der Armut. Genau das soll etwa in Chile ja eigentlich verhindert werden. Man wünscht sich weniger Ungleichheit und mehr Wohlstand für alle. Bevor es soweit kommt, kostet es erst einmal. Wie Hong Kong und Chile zeigt, dürfen die Kosten hoch sein.

Für Anleger war das bisher überraschenderweise keine Katastrophe. Der Leitindex in Hong Kong ist keine 20 % zurückgegangen. Ähnlich sieht es in Chile aus. In Hong Kong lässt sich das erklären, da die meisten Unternehmen im Hang Seng Index chinesische Unternehmen sind und nicht aus Hong Kong stammen. In Chile ist die Gewichtung ausländischer Unternehmen geringer. Umso überraschender ist daher wie robust der Markt eigentlich reagiert.

Anleger scheinen schon wieder Morgenluft zu wittern. Vielleicht sollte man das selbst auch tun. Eine Beruhigung der Lage kann innerhalb kurzer Zeit 20-25 % Rendite bringen. Die Lage scheint in Hong Kong noch länger problematisch zu bleiben. Im Libanon kann man nur schlecht investieren. Es bleibt Chile, das für Anleger interessant sein dürfte.