Einige Experten sehen die Probleme inzwischen als Unterstützung für den Markt. Das klingt paradox, entspricht aber der berühmten „Wall of Worry.“ Wenn Anleger etwas haben, über das sie sich Sorgen machen können, steigt der Markt. Ist alles in bester Ordnung fällt es dem Markt häufig schwerer zu steigen. Die Probleme dürfen allerdings nicht zu groß sein. Man denke an den Beginn der Coronakrise. Als China immer höhere Fallzahlen meldete, knickte der Markt im Januar kurz ein, erreichte drei Wochen später aber ein neues Allzeithoch. Die Ausbreitung des Virus schien auf China begrenzt zu sein. Es war eine Sorge, aber keine Katastrophe. Das änderte sich im März. Aus der Sorge wurde ein handfestes Problem. Der Unterschied zwischen dem, was lediglich zur Wall of Worry beiträgt und dem, was den Markt in die Knie zwingt, ist manchmal fein. Es lässt sich aber dennoch unterscheiden. Die Wall of Worry entspricht lediglich einer Erwartung. Es gibt keine Fakten. Anleger befürchten, dass etwas schiefgehen könnte, aber solange es sich nicht materialisiert, bleibt der Markt stark.

Wenn sich das Problem allerdings materialisiert (wie im März), schwenken Anleger schnell um. Aktuell sehen Anleger viele Probleme, aber es fehlen noch die Fakten dazu. Was wir sehen ist z.B. die Divergenz zwischen Realwirtschaft und Aktienmarkt (Grafik 1). Die Stimmung trübt sich bei Konsumenten wieder ein. Da diese die Wirtschaft tragen, verlaufen Aktienmarkt und Stimmung für gewöhnlich parallel.

Die schlechtere Stimmung hat noch nicht dazu geführt, dass sich die realwirtschaftliche Lage tatsächlich eintrübt. Bisher sehen wir nur eine Pause in der Erholung. Anleger setzen daher darauf, dass sich das alles positiv auslöst. Würden Fakten geschaffen, etwa neue Lockdowns, sähe es anders aus.

Technisch ist der Markt trotzdem etwas angeschlagen. Der S&P 500 hat ein neues Rallyehoch ausgebildet. Die Marktbreite macht jedoch nicht mehr mit. Solche Divergenzen sind oftmals der Vorbote einer Korrektur (Grafik 2).


Andererseits sind Anleger immer noch nicht euphorisch. Die Kurse sind es, aber die Stimmung der Anleger ist immer noch getrübt. Der Bärenüberhang unter Privatanlegern ist nach wie vor stark ausgeprägt (Grafik 3). Solange viele Anleger bärisch sind, gibt es neue Käufer. Je länger der Markt nicht korrigiert, desto mehr Bären fühlen sich gezwungen, am Ende doch noch zu kaufen. Das trägt die Kurse weiter nach oben.


Saisonal befindet sich der Markt nun aber in einer schwierigen Zeit. August und September sind die schwächsten Monate des Jahres. Alle Faktoren zusammengenommen sehen wir im besten Fall eine Fortsetzung dessen, was seit Anfang Juni gilt (volatile Seitwärtsbewegung).

Clemens Schmale


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