Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Erinnern Sie sich noch an die späten 1990er Jahre? Auf dem Höhepunkt des Hype um die New Economy, wurde das verarbeitende Gewerbe als „Old Economy" verspottet. Das Festhalten an der Industrie schien angesichts der Konkurrenz durch Billiglohnländer aussichtslos, wie die Finanzmarktexperten der DWS in „Chart der Woche“ schreiben.

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Zehn Jahre später, nach der Finanzkrise, hätten viele Länder wieder begonnen, ihre Bemühungen um die Reindustrialisierung zu verstärken. Heute, im aktuellen Handelsstreit, liege der Schwerpunkt auf Industriegütern. Koreanische Geschirrspüler, kanadischer Stahl und chinesische Solarmodule gehörten zu den ersten Produkten, die mit Strafzöllen belegt worden seien. In den kommenden Monaten könnten deutsche Autos zu den nächsten Zielen von Donald Trumps gehören, heißt es weiter.

„Wie wichtig ist die Fertigung heute? Unser „Chart der Woche" enthält einige aufschlussreiche Antworten. Es zeigt sich, dass der Anteil der Produktionstätigkeit am gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Land zu Land sehr unterschiedlich ist. Sollte sich der globale Handelskonflikt verschärfen, hätten Länder mit einem höheren Industrieanteil natürlich mehr zu verlieren. Daher ist China sehr verwundbar, und das gilt auch für Deutschland. Die deutsche Abhängigkeit hat in den letzten Jahren sogar zugenommen, entgegen dem globalen Trend“, so die DWS-Experten.

Was stecke hinter diesem globalen Trend eines sinkenden Industrie-Anteils am BIP in den meisten Ländern? Und was erkläre die erneute Besessenheit vieler Handelskrieger mit dem Verarbeitenden Gewerbe? Die beiden Fragen seien recht eng miteinander verbunden. Etwa zwei Jahrhunderte Wirtschaftsgeschichte legten nahe, dass die Industrie vor allem ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden sei. Produktivitätssteigerung sei tendenziell einfacher zu realisieren, wenn es darum gehe, Dinge zu erzeugen, als persönliche Dienstleistungen anzubieten. (Denken Sie an Fließbänder, verglichen mit Frisören.) Mit der Zeit schrumpfe daher der Anteil der Arbeitsplätze und der Wertschöpfung in der Fertigung tendenziell, heißt es weiter.

„Das hat sich als politisch brisant erwiesen. Die Fließbänder boten lange solide Arbeitsplätze und zahlten gute Löhne für Generationen von relativ gering qualifizierten Arbeitnehmern. Hinzu kommt, dass Waren tendenziell einfacher zu zählen und zu besteuern sind. So ist es vielleicht kein Wunder, dass die US-Regierung es für politisch vorteilhaft hält, ausländische Waren mit Zöllen zu belegen. Das Problem ist, dass auch anderswo viele politische Entscheidungsträger die Produktion innerhalb ihrer eigenen Grenzen wiederbeleben wollen. Leider ist es unwahrscheinlich, dass das für die Weltwirtschaft insgesamt gut funktionieren wird“, so die DWS-Experten.