Vor Beginn der Krise arbeiteten in den USA 158,7 Mio. Menschen. Im April 2020, als der Lockdown die Wirtschaft lahmlegte, waren es nur 133,4 Mio. Derzeit gelten 151 Mio. als beschäftigt. Die Differenz zum Ausgangswert ist mit 7,7 Mio. stattlich. Theoretisch sollten Unternehmen noch mindestens 7,7 Mio. Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, um offene Stellen zu besetzen.

Das sieht nicht nach einem Mangel an Arbeitskräften aus. Genau darüber wird jedoch berichtet. Die Schlussfolgerung ist für viel klar. Die Menschen wollen nicht arbeiten, weil das Arbeitslosengeld zu hoch ist. Tatsächlich gibt es einige Berufsgruppen, für die sich Arbeit derzeit nicht lohnt.

Es ist allerdings zu einfach, den Mangel an Arbeitskräften allein durch höheres Arbeitslosengeld zu erklären. Es steckt mehr dahinter. Seit einem Jahr erhebt das Census Büro Daten dazu, weshalb genau Menschen nicht arbeiten. Die Zahl derjenigen, die momentan nicht arbeiten wollen, ist seit Pandemiebeginn von 3,4 Mio. auf 5,8 Mio. gestiegen (Grafik 1).


Dieser Anstieg entspricht am ehesten dem Grund, dass das Arbeitslosengeld zu attraktiv ist. 2,4 Mio. Menschen könnten arbeiten, tun es aber derzeit einfach nicht. Gegenüber den 7,7 Mio., die bis zur Vorkrisenbeschäftigung noch fehlen, lässt sich grob ein Drittel mit staatlichen Leistungen erklären. Es bleiben dann aber immer noch 5,3 Mio. Menschen übrig und es muss Gründe geben, weshalb diese keine Jobs annehmen.

Diese Gründe gibt es. Knapp 7 Mio. Personen geben an, dass sie nicht arbeiten, weil sie die Kinderbetreuung übernehmen müssen. Solange nicht alle Schulen usw. wieder geöffnet sind, bleiben einige Eltern dem Arbeitsmarkt fern. Aus Sorge vor dem Virus bleiben noch 3,5 Mio. dem Arbeitsmarkt fern.

Insgesamt 5,7 Mio. geben an, dass ihr Arbeitgeber permanent oder temporär geschlossen hat und daher nicht gearbeitet wird. Es ist also nicht so, dass es schon wieder alle Jobs gibt, die während der Krise verlorengingen.

Zu guter Letzt gab es eine Pensionierungswelle. Vor einem Jahr gaben 37 Mio. an in Rente zu sein. Aktuell sind es über 42 Mio. (Grafik 2). Ein Großteil derer, die wegen der Krise in Rente gegangen sind, wird vermutlich nicht mehr auf den Arbeitsmarkt zurückkehren.


Insgesamt arbeiten fast 102 Mio. Amerikaner nicht. 70 % davon sind etwa in Rente oder erkrankt (nicht Covid bezogen). 30 % sind mehr oder weniger direkt an die Pandemie gebunden. Ein Teil will nicht arbeiten, ein anderer Teil, immerhin über 2 Mio. Personen, ist an Covid erkrankt oder kümmert sich um einen Covid-Erkrankten. 12 Mio. wurden entlassen, wobei davon ca. 7 Mio. auf Covid entfallen.

Würde das zusätzliche Arbeitslosengeld morgen gestrichen, kann man nicht erwarten, dass der Arbeitsmarkt plötzlich wieder boomt. Ob Arbeitslosengeld oder nicht, irgendjemand muss sich um Kinder kümmern, wenn die Schule nicht geöffnet ist. Das alles deutet daraufhin, dass der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt noch monatelang zäh bleiben könnte.

Clemens Schmale


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