• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Börse: FOREX / Kursstand: 1,10179 $
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Der Euro hätte eigentlich schon längst steigen müssen – und zwar richtig. Gegenüber dem Dollar wären Kurse von 1,30 angebracht. Das ist zunächst nicht besonders intuitiv. Die Zinsen in der Eurozone gehören zu den niedrigsten der Welt. Das Bild ist natürlich je nach Land verschieden.

In Deutschland findet man so niedrige Zinsen wie sonst kaum irgendwo. Selbst in Japan sind die Zinsen im Vergleich hoch. In Italien hingegen ist der Marktzins, vor allem bei längeren Laufzeiten, noch vergleichsweise hoch. Doch auch hier liegt der 10-Jahressatz bereits bei deutlich weniger als 1 %.

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EUR/USD-Chart

Die niedrigen Zinsen sind keine Neuheit. Auch die jüngste Zinssenkung um 10 Basispunkte wurde schon lange erwartet. Tatsächlich verändert sich die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa zugunsten des Euro. In den USA sind die Zinsen ebenfalls gesunken und zwar viel schneller als in der Eurozone.

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Zugegeben, der Euro hätte im Jahr 2018 auch tiefer fallen müssen als er es getan hat. Neben den Zinsen gibt es aber auch noch einen zweiten Faktor, der den Kurs aus fundamentaler Sicht bestimmt. Die Eurozone weist einen Leistungsbilanzüberschuss aus. Es werden mehr Güter und Dienstleistungen exportiert als importiert.

Da ein Überschuss besteht, ist die Nachfrage nach Euro groß. Es fließt über den Handel Geld in die Eurozone hinein. Die hohe Nachfrage nach Euro sorgt für Aufwertungsdruck. Nun kommt es aber darauf an, was mit diesen Überschüssen geschieht.

Ein Großteil wird wieder ins Ausland geschickt. Es werden Anleihen anderer Staaten und ausländischer Unternehmen gekauft oder auch Aktien. Da dieser Geldstrom aus der Eurozone heraus 2018 immer kleiner wurde, wertete der Euro nicht so stark ab wie es die Zinsen vermuten ließen.

Nun bewegen sich die Zinsen zugunsten des Euros und die Portfolioinvestitionen (das Geld, das wieder ins Ausland fließt), sind gering. Es gibt für den Euro überhaupt keinen Grund weiter abzuwerten. Trotzdem steht das Währungspaar immer noch bei 1,10 anstatt bei 1,20 oder sogar 1,30.

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Das lässt sich nur erklären, indem ausländische Investoren Geld aus der Eurozone abziehen und so für einen Abwertungsdruck sorgen. Die fundamentalen Gegebenheiten sprechen für einen steigenden Kurs. Der Anstieg hätte bereits zu Jahresanfang beginnen sollen. Das tat er nicht. Der Euro schleppt sich zäh seitwärts.

Aktuell ist noch nicht vorstellbar, dass ausländische Investoren zurückkommen. QE-Programme haben allerdings Angewohnheit für mehr Risikofreude zu sorgen. So kann es sein, dass Investoren die Eurozone wieder als attraktiver empfinden. Gerade wegen der Zinssenkung und QE könnte der Euro also aufwerten.

Nachdem ich schon seit geraumer Zeit von dieser Aufwertung ausgehe, sie aber noch nicht gekommen ist, wage ich es nicht, ein genaues Timing anzugeben. Entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung wäre ich von einer Eurorallye aber nicht überrascht.

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