Zum Wesen einer Marktwirtschaft gehört eigentlich, dass derjenige, der sich verspekuliert hat, auch den Verlust tragen muss. Während der Finanzkrise von 2008 wurde dieser Grundsatz schon ausgehebelt: Die Verluste der Banken waren nicht länger die Verluste der Banken, sondern wurden sozialisiert. Der kleine Steuerzahler und die kleine Steuerzahlerin mussten auf einmal dafür geradestehen, dass sich die Banken über Jahre hinweg verspekuliert hatten.

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Einen weiteren Tabubruch könnte es jetzt in den USA geben. Dort denkt die US-Notenbank derzeit darüber nach, aus dem Nichts erzeugtes Geld direkt an professionelle Spekulanten zu verleihen, an Hedgefonds. Wie das Wall Street Journal in der vergangenen Woche berichtete, könnte die Fed versuchen, auf diese Weise die Probleme auf dem sogenannten Repo-Markt weiter einzudämmen. Auf dem Repo-Markt versorgen sich vor allem kleinere Banken, Wertpapierhändler und Hedgefonds mit kurzfristiger Liquidität.

Hedgefonds sind Anlagevehikel, die durch das Eingehen hoher Risiken überdurchschnittliche Renditen erzielen wollen. Sie spekulieren dazu nicht nur mit dem Geld ihrer Anleger, sondern können sich zusätzlich noch Fremdkapital leihen, wodurch ein Hebeleffekt entsteht: Sowohl Gewinne als auch Verluste fallen größer aus. Anders als normale Investmentfonds können Hedgefonds außerdem auf fallende Kurse wetten, indem sie Aktien und andere Wertpapiere leerverkaufen. In vielen Ländern dürfen nur sehr vermögende Privatpersonen in Hedgefonds investieren.

Seit September hatte es auf dem Repo-Markt einen Liquiditätsengpass gegeben, den die US-Notenbank mit Repo-Geschäften im Volumen von mehreren hundert Milliarden Dollar sowie dem Kauf von kurzlaufenden US-Staatsanleihen bekämpft. Zwar gingen die kurzfristigen Finanzierungsengpässe dadurch zurück, doch die zugrundeliegenden Probleme wurden so bisher nicht beseitigt.

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Volumen der Repo-Geschäfte der Fed

Hintergrund der Probleme auf dem Repo-Markt ist Berichten zufolge auch, dass die vier großen US-Banken, die auf dem Repo-Markt bisher netto Geld verleihen, nicht mehr bereit sind, dem Rest des Finanzsektors ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen. In diese Bresche könnte nun die Fed springen.

Über die Fixed Income Clearing Corp., ein staatliches Clearinghaus, könnte die Fed direkt als Gegenpartei kleineren Banken, Wertpapierhändlern und auch Hedgefonds kurzfristige Kredite zur Verfügung stellen, wie das "Wall Street Journal" schrieb. Bisher handelt es sich aber nur um Gedankenspiele.

Die Gelder würden zwar nur zusätzliche Liquidität bedeuten und für Verluste müssten die Hedgefonds weiter selbst geradestehen. Zudem sind die Kredite auf dem Repo-Markt besichert. Beobachter befürchten trotzdem, dass sich für die Fed längerfristig dennoch auch ein Glaubwürdigkeits- und Haftungsrisiko ergeben könnte, wenn sie direkt Hedgefonds mit Liquidität versorgt, die diese für ihre Spekulationen benötigen.

Auch bisher schon können sich Hedgefonds auf dem Repo-Markt mit Liquidität versorgen. Sie tun dies in der Regel aber über eine Geschäftsbank als Mittelsmann, die die Geschäfte der Hedgefonds garantiert. Dies wird auch als "Sponsored Repo" bezeichnet.

In der Vergangenheit hatte die Fed bereits Rettungspakete für Hedgefonds organisiert, etwa für Long-Term Capital Management (LTCM). Der Fonds, an dessen Strategie unter anderem die Nobelpreisträger Myron S. Scholes und Robert C. Merton mitwirkten, kollabierte 1998 und wurde anschließend gerettet. Das Geld für die von der Fed organisierte Rettung kam allerdings nicht von der US-Notenbank, sondern von verschiedenen Geschäftsbanken, die in LTCM investiert hatten.

In den vergangenen Jahren erzielten viele Hedgefonds eine vergleichsweise schlechte Performance und konnten das Versprechen einer überdurchschnittlichen Rendite nicht erfüllen. Zahlreiche Hedgefonds leiden deshalb auch unter Mittelabflüssen ihrer Anleger. Der weltgrößte Hedgefonds, Bridgewater Associates, konnte 2019 praktisch keinen Gewinn für seine Anleger erzielen. Im Vergleich dazu schaffte es der US-amerikanische Leitindex S&P 500 auf ein Plus von 31,5 Prozent im vergangenen Jahr. Wer also mit einem Indexzertifikat oder kostengünstigen ETF einfach in den gesamten US-Aktienmarkt investierte, konnte die Performance von Bridgewater Associates meilenweit übertreffen. Auch viele andere Hedgefonds dürften 2019 weit schlechter abgeschnitten haben als die weltweiten Aktienmärkte.


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