Wer unsere Kommentare an dieser Stelle regelmäßig verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass wir Bankangestellten immer wieder nahe gelegt hatten, sich nach einem neuen Job umzusehen. Man kann davon ausgehen, dass der Konsolidierungsprozess, der dort gerade begonnen hat, noch weite Kreise ziehen wird.

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Und das alles ist erst der Anfang. Griechenlands Ministerpräsident Papandreou hat in dieser Woche die letzten Zweifel ausgeräumt: Wer immer noch geglaubt hatte, wir hätten es mit einer Griechenlandkrise zu tun, der sollte es spätestens seit Donnerstagabend besser wissen.

In Wahrheit geht es nicht um ein paar Milliarden für Griechenland – tatsächlich haben wir es mit einer Krise des Weltfinanzsystems zu tun. Die Vorgänge in und um Griechenland zeigen, dass es Politikern und Banken jetzt darum geht, dieses marode, durch maßlose Gier und Korruption zerfressene System noch möglichst lange über Wasser zu halten.

Es ist deshalb auch nicht damit zu rechnen, dass jetzt plötzlich alles besser werden wird. Ganz im Gegenteil: Der Verlauf der Ereignisse macht deutlich, dass die Dinge sich weiter beschleunigen, ganz so, wie Sie das an dieser Stelle immer wieder lesen konnten.
Ein kurzer Rückblick auf eine denkwürdige Woche, die Historiker vielleicht einmal als Wendepunkt der Weltfinanzkrise des 21. Jahrhunderts werten werden:

"Wir vertrauen den Bürgern. Wir glauben an ihr Urteilsvermögen, wir glauben an ihre Entscheidung. Wenn das griechische Volk die Vereinbarungen von Brüssel ablehnt, werden sie nicht verabschiedet“.
Mit diesen Worten hatte der griechische Staatschef am Montagabend die ganze Welt in helle Aufregung versetzt. Die Bürger sollten entscheiden, was ihnen wichtig ist. Unerhört!

Die Börsen rauschten angesichts dieser „Horrormeldung“ am Dienstagmorgen ungebremst in die Tiefe. Besonders schlimm erwischte es die Bankaktien, weil plötzlich klar wurde, dass die Geldhäuser noch viel größere Verluste würden verkraften müssen als jene in Brüssel verabredeten 50 Prozent an Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen. Plötzlich drohte der Totalausfall – aber nur, wenn die Griechen die Brüsseler Sparbeschlüsse tatsächlich ablehnen würden.

Was für ein Glück, dass es sich Papandreou schon am nächsten Tag anders überlegte und das Referendum wieder absagte - auf Druck Europas wie es hieß: Weil die Europäer mit der Keule gedroht hatten, bereits zugesagte acht Milliarden Euro an Hilfsgeldern wieder einzufrieren. In den Medien wurde diese auf den ersten Blick plausible Erklärung dann auch eifrig verbreitet.

Nein, die Banken hatten bei diesem geheimnisvollen Gewinnungswandel des Giorgos Papandreou natürlich nichts zu tun. Es ist ja auch vollkommen abwegig, dass die Finanzjongleure dem Griechen, der aus einer der reichsten und korruptesten Familien des Landes stammt, ein paar hundert Millionen Euro aus der Portokasse angedient haben könnten, um ihm den Schritt zu erleichtern, das Referendum zurückzuziehen. Was für ein Unsinn, so etwas passiert doch höchstens im Film, und wir sind hier schließlich in der Realität.

Diese sieht mittlerweile allerdings noch düsterer aus als selbst unverbesserliche Dauerpessimisten das noch vor einem Jahr erwartet hätten:

Erstens, und das ist die schwerwiegendste Beobachtung, entpuppt sich in dieser Realität des 21. Jahrhunderts die Demokratie als Feind der Finanzmärkte. Das muss uns sehr zu denken geben, denn längerfristig können wir damit nicht leben: Es ist schlicht unerträglich, wenn die Aktienmärkte einbrechen, weil die Menschen ihre Meinung kundtun sollen. Dass es dennoch geschieht, zeigt, wie krank dieses System ist: Hier geht es nicht um die Menschen, es geht um die Gewinne einiger Finanzkonzerne.

Zweitens stehen alleine in Europa mit Italien und Frankreich zwei tragende Säulen mit dem Rücken zur Wand: Trotz des Rettungsschirms muss Italien derzeit deutlich mehr als sechs Prozent Zinsen für seine Anleihen bezahlen.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Italien-wird-angezaehlt-article4682316.html

Längerfristig sind Zinsen in dieser Höhe für das Land nicht zu stemmen. Mit einer Verschuldung von 120 Prozent bezogen auf die Wirtschaftsleistung sitzt Rom nach Athen auf dem höchsten Schuldenberg in Europa. International rangiert das Land hinter den USA und Japan auf Rang drei. Das bedeutet: Ganz unabhängig davon wie das Drama in Griechenland weitergeht, kündigt sich hier der nächste Staatsbankrott an.

Drittens soll doch bitte einmal jemand erklären, wie die südeuropäischen Länder wieder auf die Beine kommen sollen, wenn sie von den Sparbeschlüssen der EU immer tiefer in die in die Rezession getrieben werden. Was hier versucht wird, ist ein Ding Unmöglichkeit. Es drohen Dauer-Rezessionen flankiert von permanenten sozialen Unruhen.

Unsere Stammleser werden sich erinnern, dass wir schon vor gut zwei Jahren geraten hatten, einen Bargeldvorrat mit Euro-Banknoten der Deutschen Bundesbank vorzuhalten. Diese weisen den Zifferncode „X“ auf. Seinerzeit wurden wir von einigen Kollegen für solche Gedanken belächelt.

Allmählich ändert sich das: Sollten etwa die Banken in den kommende Monaten vorübergehend schließen, aus welchem Grund auch immer, dann könnte so ein Bargeldvorrat noch sehr wertvoll werden.

Auch ist der Gedanke eines „Nord-Euro“, bestehend aus den Ländern Österreich, Finnland, Luxemburg, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich inzwischen gar nicht mehr so abwegig. Halten Sie sich daher weiterhin an unsere Empfehlung und lagern Sie einen Bargeldvorrat mit Euro-Scheinen der Deutschen Bundesbank für vier bis sechs Wochen zu Hause.

Denn wenn wir schon Banken und Politkern nicht mehr vertrauen können, dann sollten wir wenigstens unseren gesunden Menschenverstand einschalten. Und der sagt uns, dass die Sache jetzt erst so richtig turbulent werden wird...

Mehr dazu in der November-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de