Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Nachdem Wirecard am vergangenen Mittwoch und Freitag mit einer negativen Medienberichterstattung durch die Financial Times (FT) konfrontiert war, führte der Konzernvorstand am vergangenen Montag eine Telefonkonferenz.

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    Wirecard-Vorstandsvorsitzender Markus Braun und Finanzvorstand Alexander von Knoop kommentierten die Vorwürfe und gaben tiefere Einblicke in den Ermittlungsprozess und die Compliance-Prozesse des Unternehmens. Die Vorwürfe betrafen ein mögliches Fehlverhalten eines der führenden Wirecard-Mitarbeiter in Singapur in Bezug auf Umsatzfälschung und Geldwäsche.

    Die kombinierten Informationen aus der Gesamtaussage vom Montag und der Telefonkonferenz ergeben das folgende Bild: Insgesamt beinhaltet der betroffene Prozess Einnahmen in Höhe von 6,9 Mio. Euro, die im Zeitraum von 2015 bis 2018 erzielt wurden, während der FT-Artikel auf betroffene Einnahmen in Höhe von rund 34 Mio. Euro verwies.

    Nachdem die Vorwürfe von einem lokalen Mitarbeiter im April 2018 erhoben wurden, wurde ein interner Compliance-Prozess eingeleitet. Die lokale Anwaltskanzlei Rajah & Tann wurde beauftragt, den Prozess unabhängig zu untersuchen. Die Untersuchung sollte bald abgeschlossen sein. Das Ergebnis wird veröffentlicht, um vollständige Transparenz zu gewährleisten. Bislang hat die Kanzlei keine schlüssigen Beweise dafür gefunden, dass einer der Vorwürfe zutrifft.

    Die Unternehmensleitung erwartet, dass im Abschlussbericht der Untersuchung keine wesentlichen Erkenntnisse aufgedeckt werden. Alexander von Knoop zufolge sind die Vorwürfe seit Mai 2018 bekannt, da er als CFO und damit für Compliance-Fragen zuständig ist.

    Bewertung: Aus Sicht von Marius Fuhrberg, Analyst bei Warburg Research, gibt es an dieser Stelle keinen Grund, an den Aussagen des Wirecard-Vorstands zu zweifeln. Es scheine, dass die Vorwürfe des potenziellen Hinweisgebers ein normaler Compliance-Prozess seien und dass die Compliance-Abteilung bei Wirecard so funktioniere, wie sie sollte. Das habe auch die Unternehmensleitung in der Telefonkonferenz betont, während die Vorwürfe selbst unbegründet blieben.

    Er unterstütze die Ansicht des Managements aufgrund der hohen Transparenz der Untersuchung durch Wirecard selbst, der öffentlichen Stellungnahme der unabhängigen Kanzlei und der Schlüssigkeit der Erklärung des Vorstands, so Fuhrberg. Darüber hinaus habe CEO Braun erklärt, dass er das Thema als Non-Event belassen und sich weiterhin auf die operative Leistung des Unternehmens konzentrieren werde. „Investoren sollten das Gleiche tun, und da es absolut keine Anzeichen von Fehlverhalten oder Gefahr für das Unternehmen oder unseren Investmentfall gibt, sollte der Rückgang der Aktienkurse der vergangenen Woche als Kaufgelegenheit betrachtet werden“, empfiehlt Warburg-Analyst Fuhrberg.

    Wirecard AG